Damit auch Flüchtlinge mobil sind – Schwäbische Zeitung

28 February 2016 | 5:54 pm

Tettnang sz Mobil sein, bedeutet ein Stück Freiheit und kann den Alltag erheblich erleichtern. Damit künftig auch Tettnanger Asylbewerbern der Weg zum Einkaufen, zu Behördengängen oder zum Sprachunterricht erleichtert werden kann, hat das Asylnetzwerk Tettnang am Samstag einen Fahrradverkauf für Flüchtlinge veranstaltet.

Ermittelt wurden die potenziellen Käufer zunächst mittels eines Losverfahrens. So kam jeder, der Interesse hatte, in den Lostopf, anschließend wurden jeweils fünf Lose gezogen und die Interessenten zu den Rädern, die in der Riedstraße bereitstanden, gebracht. „Das Losverfahren hat einfach den Hintergrund, den Zufall entscheiden zu lassen, wer die Räder als erstes begutachten darf und somit die größte Auswahl hat“, klärte Mitorganisator Hartmut Rocker auf.

Verkauft wurden die Räder hauptsächlich deshalb, weil mit den Einnahmen die Kosten für Ersatzteile gedeckt werden sollen, die für die Reparatur notwendig sind. Zusätzlich habe man beispielsweise in Kau keine guten Erfahrungen mit dem Verschenken von Rädern an Flüchtlinge gemacht, erklärte Tilmann Kugel. Die Zweiräder stammen von privaten Spendern, wurden anschließend von den fleißigen Bastlern des Asylnetzwerks fahrtauglich gemacht. „Momentan machen wir das noch privat in unseren Kellern“, so Kugel, „aber wir suchen dringend einen Raum, wo wir die Räder gemeinsam in Schuss setzen und die Ersatzteile lagern können.“ Gemeinsam mit einem Experten wurde jedes einzelne Fahrrad auf seinen Wert geschätzt. Die Hälfte dieser Summe wurde anschließend als Verkaufspreis festgelegt. Vom Kinderfahrrad bis zum hochwertigen gebrauchten Herrenrad war alles dabei, die meisten Preise beliefen sich auf zehn bis 20 Euro, doch auch ein paar echte Juwelen für bis zu 250 Euro fanden sich unter den insgesamt 40 angebotenen Rädern.

Mit unter den ersten, die einen Blick auf die Auswahl werfen durften, waren der Syrer Said und der Iraker Alhasa. Jedes Rad wurde genauestens inspiziert: Wie ist die Federung? Sind die Reifen ausreichend aufgepumpt, die Bremsen intakt – und funktioniert die Klingel? Fleißig wurden die Räder anschließend einer Probefahrt unterzogen. Alhasa war der erste, der zuschlug. Ein schwarz-rotes Herrenrad hatte es ihm angetan, schnell war das Geschäft für 25 Euro mit Tilmann Kugel besiegelt. „Good bike!“, sagte er mit einem zufriedenen Blick auf seine neueste Errungenschaft, bevor er sich in den Sattel schwang und zur Jungfernfahrt zurück in Richtung Stadthalle aufbrach.

Es mangelt an Kinderrädern

Zufrieden mit dem Verkauf zeigte sich am Ende Tilmann Kugel: „Das war eine richtig gute Aktion.“ Rund 30 Räder haben an diesem Tag den Besitzer gewechselt. Dringend benötigt würden jedoch noch Jugend- und Kinderräder. „Wir konnten leider noch nicht alle Kinder glücklich machen, da gab’s auch ein paar Tränen“, erzählte Kugel. Eine Wiederholung der Aktion sei auf jeden Fall denkbar, zahlreiche Räder warteten schließlich im Keller noch auf ihre Reparatur und könnten beim nächsten Mal möglicherweise für die Flüchtlinge in Laimnau verkauft werden, kündigte er an.

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