Der Dakar-Faktor: Interview mit KTM-Rally-Guru Stefan Huber

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Der Dakar-Faktor: Interview mit KTM-Rally-Guru Stefan Huber

Bevor die Fahrer in die letzten Etappen der Rallye Dakar starten, blicken wir auf ein Interview mit Red Bull KTM Rally Factory Racing Team Technical Manager Stefan Huber zurück, der uns kurz vor Beginn des Rennens einen Einblick in die umfangreichen Vorbereitungen gab. Mit der Dakar in vollem Gange und KTM-Werksfahrer Toby Price in Führung, schauen wir noch einmal zurück auf seine Erwartungen vor dem Rennen.

Stefan Huber Dakar 2016

„Der November war eine besonders arbeitsreiche Zeit für uns. Wir beginnen bereits im Sommer mit den Vorbereitungen, deshalb konnten wir es im Dezember ein bisschen ruhiger angehen lassen. Nach einem letzten Roadbook-Training in Marokko, konnten wir die Weihnachtszeit genießen. Es ist gar nicht so leicht, zur Ruhe zu kommen, denn es gibt immer Neuigkeiten zu den Etappen, Wettervorhersagen usw., dabei ist es genauso wichtig, sich auszuruhen und Zeit mit der Familie zu verbringen“, erklärt Huber.

Optisch hat sich das KTM 450 RALLY Werksbike kaum verändert, aber das Team hat viel getestet, um für die Überraschungen der Dakar 2016 gewappnet zu sein.

„Wir haben ein bisschen was an der Federung und am Motor-Setup verändert, um das Bike an die Etappen in großen Höhenlagen anzupassen, und haben ein paar weitere Neuerungen getestet, mit denen die Fahrer sehr zufrieden waren. Das Training sah bei jedem Fahrer ein bisschen anders aus. Man kann die Höhe simulieren und mit einer Maske trainieren; Matthias (Walkner) ist zum Beispiel zum Skifahren in die Berge gefahren. Allein sich in dieser Höhe aufzuhalten, ist schon ein gutes Training.“

KTM 450 RALLY 2016

Nach 10 Jahren Dominanz von Marc Coma und Cyril Despres wird es dieses Jahr einen neuen Sieger geben. Für viele Fahrer ist diese Situation eine neue Chance und sorgt gleichzeitig für neue Motivation.

„Es ist aufregend. Bei Marc konntest du dir so gut wie sicher sein, dass er vorne mitfahren würde. Jetzt haben wir einige vielversprechende Fahrer, aber was wir von ihnen erwarten können, ist schwer zu sagen. Jordi Viladoms hat viel Erfahrung, während es für Toby (Price) und Matthias erst die zweite Dakar ist. Letztes Jahr konnte Matthias das Rennen nicht beenden; es gibt also ein paar Fragezeichen. Aber die Fahrer sind fit und gut vorbereitet, genauso wie das gesamte Team. Sofern sie keine Zeitstrafen wegen Geschwindigkeitsübertretung bekommen oder Wegpunkte verpassen, sollten unsere Fahrer gut dabei sein.“

„Für Laia (Sanz) ist es das Ziel, wieder in die Top 10 zu fahren. Eine junge Generation steht in den Startlöchern und das Niveau steigt kontinuierlich; gleichzeitig nimmt auch die Gefahr zu, aber darüber wollen wir gar nicht nachdenken. Laia ist sehr fokussiert und motiviert; es wird sicherlich ein gutes Rennen für sie.“

Toby Price, Matthias Walkner & Jordi Viladoms Dakar 2016

Kurz nach der Weihnachtszeit, beginnen die unmittelbaren Vorbereitungen für die Dakar.

„Ich komme am 29. Dezember an. Wir holen die Motorräder, Trucks und das restliche Material vom Hafen ab, dann fahren wir nach Buenos Aires, um die Bikes vorzubereiten. Im Anschluss folgt nochmal ein kleiner Test. Am 31. bereiten wir die Motorhomes vor und machen alles startklar, bevor am 1. Januar die technische Abnahme folgt. Am nächsten Tag die Fahrerpräsentation und der Prolog; dann beginnt das eigentliche Rennen. Jeder einzelne im Team hat viel Erfahrung und weiß, wie er sich vorbereiten muss. Alle sind ein bisschen nervös und bekommen Anrufe von zu Hause, denn jeder weiß, was bei der Dakar passieren kann. Mit dieser Situation musst du leben und das Wichtigste ist, sich gut vorzubereiten, um möglichst wenig Probleme zu haben. Wir versuchen einfach, ruhig zu bleiben.“

Dakar-Equipment

Für das Team war es ein schwerer Schlag, dass Sam Sunderland wegen eines bei der Merzouga Rally erlittenen Oberschenkel- und Schlüsselbeinbruchs nicht bei der Dakar starten kann. Sam wäre wahrscheinlich ein Podiumskandidat gewesen, aber letztendlich war es für ihn die richtige Entscheidung, zu Hause zu bleiben.

„Nach dem, was ich gesehen und von Alex (Doringer) und Sam gehört habe, war es für ihn definitiv die richtige Entscheidung, nicht nach Südamerika zu reisen. Vielleicht hätte er sich gut genug für eine Etappe gefühlt, aber schon der zweite Tag wäre schmerzhaft gewesen, wodurch er seinem Bein längerfristiger schaden und die ganze Saison verpassen könnte. Er hat alles versucht, um rechtzeitig fit zu sein, aber die Dakar ist ein sehr anstrengendes Rennen; er wird eine neue Chance bekommen. Für uns war er ein potenzieller Podiumskandidat und war letztes Jahr sehr stark, deshalb war es für uns ein ziemlicher Rückschlag, aber auch mit solchen Situationen müssen wir vernünftig umgehen.“

Der fünffache Enduro-Weltmeister Antoine Meo startet dieses Jahr zum ersten Mal bei der Dakar. Bisher hat er nicht viele Rallys bestritten, aber er und das Team haben viel gearbeitet, um bestmöglich vorbereitet zu sein. Und der Franzose überzeugt durch gute Leistungen: ein Etappensieg, eine Top 3-Platzierung und nur ein Ergebnis außerhalb der Top 10 bis zur zehnten Etappe. Die Entscheidung ihn ins Rally-Team zu holen, war definitiv die richtige.

„Wir wissen, dass Antoine Meo aus fahrerischer Sicht den Speed hat. Mit seinem Trainer in Frankreich und dann mit uns in Marokko hat er nochmal seine Roadbook-Fähigkeiten verbessert. Er hat einige Schritte nach vorn gemacht, analysiert seine Fehler und arbeitet sehr professionell, um die Grundlagen zu lernen. Es ist seine erste Dakar und wie immer, kann ein kleiner Fehler, eine Zeitstrafe oder ein verpasster Wegpunkt, dich zurückwerfen. Dadurch, dass die ersten Zehn nun in Abständen von jeweils drei Minuten starten, muss jeder mehr navigieren.“

„Auch Matthias hat das Training nochmal intensiviert. Er ist sehr fokussiert, ein anderer Fahrer als noch im letzten Jahr und will vorne mitfahren. Er hat die Weltmeisterschaft gewonnen und wenn er das Ziel erreicht, sollte er eine gute Gesamtposition einfahren. Dann ist da noch Toby Price, der letztes Jahr bei seiner ersten Dakar als Dritter auf dem Podium stand. Letztes Jahr ist er ohne Druck gefahren; wenn man sich die Bilder anschaut, hat er nicht gepusht. Bei den Tests ist er einfach schnell, unter Rennbedingungen wird seine Geschwindigkeit also noch höher sein. Er ist noch nicht viele Rallys gefahren und in Australien gibt es kaum Möglichkeiten für Roadbook-Training, aber während der Rennen arbeitet er hart an sich. Außerdem waren alle zu einer kleinen Trainingssession bei Jordi in Spanien, was für alle eine große Hilfe war. Wir haben ein großartiges Team.“

Laia Sanz, Antoine Meo, Jordi Viladoms, Matthias Walkner & Sam Sunderland Dakar 2016

Während der siebten Etappe stürzte Walkner und brach sich den Oberschenkel. Er wurde bereits operiert und wird in den nächsten Tagen nach Hause geflogen; was wieder einmal unter Beweis stellt, dass die Dakar auch die Besten zur Aufgabe zwingen kann.

Auch 2016 ist die Dakar hartumkämpft und steckt voller Herausforderungen. Wir fragten Stefan, wen er als größte Herausforderer betrachtet.

„Sicherlich werden Joan Barreda und Paulo Gonçalves sehr stark sein, genauso wie Helder Rodrigues auf seiner Yamaha und die beiden Shercos; wenn diese Fahrer keine Fehler machen, wird es ein spannendes Rennen. Die Ära von Despres und Coma ist vorbei, jetzt können andere Fahrer ihre Chance nutzen. Gonçalves war letztes Jahr Zweiter, er hat eine Menge Erfahrung und weiß seine Chancen zu nutzen. Wir wissen, dass wir mit Stürmen und anderen Wetterkapriolen rechnen müssen. Letztes Jahr war der Salzsee das größte Problem; wir sind gut vorbereitet, aber es ist unmöglich, das Salzwasser von der Elektronik fernzuhalten. Es wird kein einfaches Rennen.“

Nach Etappe 9 ist Toby Price auf Platz 1 der stärkste KTM-Fahrer. Vor KTM-Privatfahrer Stefan Svitko auf Platz 2, gefolgt von Paulo Gonçalves auf dem dritten Platz. Antoine Meo liegt auf Platz 5, vor Laia Sanz und Jordi Viladoms auf den Plätzen 14 und 29.

Weitere Informationen zur Rallye Dakar 2016 gibt es hier.

Fotos: KTM



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