Der irrelevante Phantasiepreis 2014

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Mutter Natur hat einen großen Eimer weißer Farbe über sich ausgeschüttet, die Chili-Spätlese ist verarbeitet und die Pflanzen sind ebenso am Ende wie das aktuelle Jahr. Zwar werde ich schon am kommenden Wochenende wieder die Gelegenheit haben mit ein paar neuen Maschinen nebst Ausrüstung zu spielen, doch das gehört ja bereits zu den nächsten 365 Tagen. Deshalb lehne ich mich wohl nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich – inspiriert durch die Gemeinschaft der Gerne-im-Stau-Steher – heute auch mal einen irrelevanten Phantasiepreis vergebe: die goldene Warnweste 2014 – für mein Kraftrad des Jahres.

Pew! Pew!

Zahnpastaweiß stand sie da und blickte mit ihren pupillenlosen Augen über den Parkplatz. Pupillen sind was für Neandertaler, die braucht sie nicht mehr. LEDs werkeln in ihren Scheinwerfern, was das Fehlen von Glühbirnen im Zentrum der Reflektoren erklärt. Dreht man den Zündschlüssel im Schloss, sind sie sofort voll einsatzbereit und verstrahlen ein extrem helles weißes Licht, das vor allem in Kombination mit der ebenso klinisch weißen Lackierung aussieht wie der Photonenantrieb einer interstellaren Rakete – sauber und futuristisch.

Generell gefällt mir die komplette Front richtig gut. Teils Helm eines Spartaners, teils – auch wenn ich gleich in Deckung gehen muss, weil wütende Ducatisti ihre Espresso-Tassen nach mir werfen werden – Panigale. Sehr schneidig jedenfalls, wie auch der Rest der Maschine. Sie soll schmäler sein als ihre Vorgängerin. Wie sehr sich das auswirkt, kann ich nicht beurteilen, da ich das Vorgängermodell nicht persönlich kenne. Aber schmäler ist immer gut, falls man die Photonenrakete mal durch ein dichtes PKW-Feld manövrieren muss.

Auch sehr stylisch fand ich die antikbronzefarbenen Highlights wie Felgen, diverse Motordeckel und Gabelbrücke. Ein schöner Kontrast zur restlichen Raumschiffanmutung.

Ein Statement

Nachdem er eine zeitlang die ehemals weiße Nase meiner Testmaschine betrachtet hatte, das Massengrab unzähliger Fliegen, schaute Genosse Gleich mich an und meinte: „Das ist ein Statement.“ Zwar hatte es einen Großteil der Insekten wohl beim Vollgastest auf der vormittagsleeren A3 dahingerafft, aber nichts desto trotz hatte er mit seiner Aussage völlig recht, das hier war ein Statement, ein morbider Beleg über den ehrlichen und unkomplizierten Spaß den man mit dieser Maschine haben kann, auch wenn man sie gerade zum ersten mal gefahren ist.

Die Autobahn war meine Verbindungsetappe in Richtung Heimat, dorthin, wo ich mich (etwas besser als gar nicht) auskannte. Ich hatte die Morgenschwere der anderen genutzt, mir das Raumschiff gekrallt und bin losgezogen. Die Straßen waren leer und ohne Gruppe konnte ich mich im eigenen Tempo treiben lassen. Das allerdings zog erstaunlich schnell an, was zum Teil den ungewöhnlich hohen Temperaturen an diesem Tag zu verdanken war, aber zum weitaus größeren Teil der bereits erwähnten Unkompliziertheit.

Diese ist die Summe aus einem bewährten Chassis mit überarbeitetem Fahrwerk (genauer: einer neuen konventionellen 43 mm „Downside-down-Gabel“ vorne, sowie einer ebenfalls neuen Einarmschwinge hinten) und einem absolut großartigen V4-Motor (mit 800 ccm, 106 PS und 75 Nm), der vom verhaltenen 8-Ventil-Mantra zum heiseren 16-Ventil-BANZAIII! übergeht, sobald das VTEC die bis dahin inaktiven Ventilpaare zuschaltet. Klar, gemeint ist die VFR800F.

Die anderen wichtigen Neuerungen, die diese Modelliteration erfahren hat, wären neben überarbeitetem Fahrwerk und Motor, die Traktionskontrolle, die hinzu gekommen ist und der von über dem Hinterrad neben das Hinterrad gewanderte Schalldämpfer. Leichter ist sie auch geworden (sieben Kilo), trotz Vollausstattung samt Hauptständer und Heizgriffen.

Schade, dass man den Fahreindruck nicht ebenso leicht in ein paar Zeilen wiedergeben kann wie das, was neu ist an der VFR. Der Artikel hier war eine spontane Idee und deshalb vielleicht nicht ganz so blumig und detailliert wie sonst, weshalb ich zusammenfasse: Die VFR800F ist ein unglaublich rundes Gesamtpaket mit dem typischen Draufsetzen-und-Fahren-Charme einer Honda. Man kann bequem längere Autobahnetappen hinter sich bringen, um sich anschließend auf der Landstraße für die durchstandene stupide Monotonie zu entschädigen.

Und auch wenn es sie in Deutschland nur in Rot oder Schwarz gibt, nicht aber in Photonenraketenantriebsweiß (was ich übrigens auf das Schärfste anprangere!), ist sie dennoch meine persönliche Maschine des Jahres.

Fotos: Honda


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