Fahrrad-Polizei gegen Rowdy-Radler – Stramme Waden statt Blaulicht: So stoppt man Fahrrad-Rambos

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Einmal in der Woche tauscht Thomas Kiraly seine Polizeiuniform gegen ein schwarz-blaues Trikot und kurze Sporthosen ein, dazu kommen Handschuhe und Helm. Mit einem leisen Klick rasten die Schuhe ein, dann tritt Kiraly in die Pedale. Der 39-Jährige gehört zur Fahrradstaffel der Dresdner Polizei. Kiraly, der in jeder freien Minute auf seinem Rennrad sitzt, freut sich, wenn er auch während seiner Arbeitszeit auf dem Sattel sitzt. Selbst wenn das Polizeirad schwerer ist und hier und da klappert. „Es ist eine Abwechslung.“ 

Gemeinsam mit zwei Kollegen steuert der Polizist die Hauptstraße in Dresden an, eine Fußgängerallee, die direkt in die Altstadt führt. Hunderte Radler kommen jeden Tag hier vorbei: Touristen, Studenten, Dresdner auf dem Weg zur Arbeit. Die Ampelkreuzung am nahe gelegenen Albertplatz ist für zahlreiche Unfälle berüchtigt.  

Bei Rot über die Ampel – 60 Euro

Es dauert nicht lange, bis der erste Radler bei Rot über die Ampel prescht und nur knapp an den Autos vorbeirast. Auf die „Stopp, Polizei!“-Rufe reagiert er nicht. Die Polizisten schwingen sich aufs Rad und holen den jungen Mann nach wenigen Metern ein. Es ist ein Student, der die Fahrradpolizisten nicht bemerkt hat. 60 Euro sind fällig. „Das finde ich zu viel“, sagt der Student trotzig. Bezahlen muss er trotzdem. Wenige Minuten später rollt eine Frau mit Handy am Ohr vorbei – sie kommt mit einer Verwarnung davon.  

Viele sind überrascht, wenn sie von Polizisten auf Rädern angehalten werden. Auch Passanten bleiben verwundert stehen. „Manche wissen gar nicht, dass es uns gibt“, sagt Kiraly. Dabei sind insgesamt acht Beamte als erste sächsische Fahrradstaffel seit 2009 im Einsatz. Allerdings kommen sie im Schnitt nur etwa einmal pro Woche auf den Sattel, meist sind sie mit dem Motorrad oder dem Streifenwagen unterwegs. Manchmal wünscht sich Kiraly, öfter mit dem Fahrrad auf die Straße zu kommen. „Um effizienter bei den Kontrollen zu sein.“  

Fahrradpolizisten auch in Berlin, Hamburg und Köln

In immer mehr deutschen Städten setzt die Polizei mittlerweile auf Pedale statt Blaulicht: In Köln, Düsseldorf, Hamburg und Münster macht sie bereits gute Erfahrungen mit Fahrradstreifen. In Leipzig sind im Vorjahr acht Polizeibeamte auf das Rad umgestiegen. Seit Mitte Juli radeln 20 Polizisten auch regelmäßig ins Berliner Zentrum. „Wir bekommen unglaublich viel Zuspruch, selbst von Leuten, die wir ermahnen“, sagt Sascha Ziegler, Chef der Fahrradstaffel. Erst kürzlich hätten Passanten geklatscht, als die Polizisten einen Radkurier nach einer wilden Verfolgungsfahrt gestoppt hätten. Rund 30 Kilometer am Tag legen die Radpolizisten im Schnitt zurück. Zunächst soll das Projekt drei Jahre laufen. 

Mehr als 70.000 Fahrradunfälle pro Jahr

Der Anteil des Radverkehrs bundesweit wächst: Zwischen 1998 und 2012 ist er laut ADFC von 9,5 auf 12,5 Prozent gestiegen. Dementsprechend hoch sind die Unfallzahlen – auch wenn sie im vergangenen Jahr leicht gesunken sind. Laut Statistischem Bundesamt verunglückten 2013 in Deutschland rund 71.400 Radfahrer. 2012 waren es 74.700. Im vergangenen Jahr kamen 354 Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben. Das ist ein Minus um 12,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 32.300 Radfahrer waren aber als Hauptverursacher an Unfällen beteiligt.  

Die Dresdner  Radpolizisten sind auch in Parks und Grünanlagen zu finden. Dort, wo Streifenwagen nicht hinkommen. So haben sie am besten ein Auge auf alle, die per Rad zu schnell oder ohne Licht unterwegs sind. Oder auf „Geisterradler“, die Radwege in der falschen Richtung befahren. Oft stellen die Polizisten auch gestohlene Räder sicher, manchmal gehen sogar Drogenkuriere ins Netz.  

Video: Das sind die beliebtesten Radstrecken in Deutschland


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