Giacomo Agostini: Die Motorrad-Legende im Interview – euronews

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Treffen mit einer Legende: Giacomo Agostini gilt vielen als einer der besten, wenn nicht der beste Motorradrennfahrer, den die Welt je gesehen hat. 15 Mal gewann der Italiener einen Weltmeistertitel, so häufig, wie niemand sonst. Wir haben ihn in Lyon zum Interview getroffen und mit ihm über seine Laufbahn gesprochen, über den Konflikt zwischen Rossi und Màrquez und über seinen Abstecher in den Autosport.

Bruno Sousa, euronews
Giacomo Agostini, danke für dieses Interview. Woher kommt Ihre Begeisterung für Motorräder?

Giacomo Agostini
Ich denke, ich wurde für die Motorräder geboren. Sobald ich als Kind denken konnte, wollte ich professioneller Motorradrennfahrer werden und an Rennen teilnehmen. Ich habe mit kleinen Geschicklichkeitsturnieren begonnen, weil mein Vater mir nicht erlauben wollte, richtige Rennen zu fahren. Er sagte immer, das sei zu gefährlich, er wollte die notwendige Erlaubnis nicht unterschreiben. Eines Tages besuchten wir einen Freund meines Vaters. Dieser fragte mich, warum ich traurig sei, warum ich nicht glücklich aussähe. Ich sagte, ich wollte Rennen fahren. Und er überzeugte schließlich meinen Vater, die Erlaubnis zu unterzeichnen. Am Ende hatte der Freund aber alles noch komplizierter gemacht, denn er hatte gedacht, ich wollte Fahrradrennen fahren. Ich kaufte mir dann ein schönes Motorrad und begann, an Rennen teilzunehmen, und ich habe sofort Siege eingefahren. So hat meine Karriere begonnen.

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Wer waren Ihre Motorrad-Helden, als Sie jung waren?

Giacomo Agostini
Als ich jung war, liebte ich zwei italienische Fahrer, Carlo Ubbiali und Tarquinio Provini. Die beiden hatte zahlreiche Weltmeisterschaften gewonnen. Ich habe sie bei zwei, drei Rennen gesehen, und ich habe mir immer gewünscht, so zu sein, wie sie.

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Wann haben Sie gemerkt, dass sie besser waren als die anderen und dass Sie ein enormes Talent besaßen?

Giacomo Agostini
Das war mir eigentlich gar nicht so klar. Ich hatte nur immer diese Leidenschaft und Liebe für das Motorrad. Mein Vater sagte immer: “Was willst Du machen? Es gibt richtige Champions da draußen, was willst Du da tun?” Ich sagte: “Ich will Rennen fahren, weil ich Motorräder und Wettrennen liebe.” Als ich dann immer öfter gewonnen habe, kam mir allmählich der Gedanke, dass ich vielleicht ganz gut war. Aber ich hätte nie gedacht, nur ein einziges Mal Weltmeister zu werden, geschweige denn fünfzehnmal. Man muss zufrieden sein, ich hatte wirklich Glück.

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Zwischen 1968 und 1970 haben Sie alle WM-Rennen gewonnen. Wie kann man über so lange Zeit so konzentriert und fokussiert bleiben?

Giacomo Agostini
Eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist sehr schwierig. Und es ist noch schwieriger, nach einem Sieg ein weiteres Mal zu gewinnen. Das Siegerpodest ist wie eine Droge, dort oben geht es einem gut. Man fühlt sich toll, wenn man den ersten Platz erreicht hat. Aber jedes Rennen ist anders. Deshalb hat man auch nach jedem Sieg schon wieder Lust darauf, das nächste Rennen zu gewinnen. Es fühlt sich jedesmal anders an.

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Sie haben gesagt, gewinnen sei wie eine Droge. Das heißt aber auch: Man muss irgendwann aufhören. Wann wussten Sie, dass die Zeit gekommen war, aufzuhören?

Giacomo Agostini
So eine Entscheidung zu treffen, ist schwierig. Man macht sich da sehr viele Gedanken. Aber die Jahre ziehen vorbei, und irgendwann musst du eben den Jungen die Möglichkeit geben, deinen Platz einzunehmen.

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Hatten Sie jemals Lust, wieder bei einer Weltmeisterschaft mitzumachen?

Giacomo Agostini
Nein, denn es war schwer genug, die Entscheidung zu treffen, aufzuhören. Aber ich habe aufgehört, warum sollte ich es dann noch mal versuchen? Dann hätte ich gleich weitermachen können.

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Nach dem Motorradsport hatten Sie in kleines Rendez-Vous mit der Formel 1. Welchen Unterschied gibt es zwischen Motorrad und Auto?

Giacomo Agostini
Ich hätte bereits früher, ungefähr in der Mitte meiner Karriere, die Gelegenheit gehabt, bei der Formel 1 mitzufahren. Enzo Ferrari gab mir die Chance. Ich habe lange, zwei, drei Tage überlegt, dann entschied ich mich, beim Motorrad zu bleiben. Dem Motorrad galt immer meine Liebe. Ich habe mit dem Motorrad angefangen. Schon bei meiner Geburt dachte ich an Motorräder, nicht an Autos. Ein Wechsel wäre zu egoistisch gewesen, ich wäre einer gewesen, der alles wollte. Dabei hat mir Gott schon eine Sache gegeben, und damit sollte man zufrieden sein. Aber nach meiner Motorradkarriere wollte ich Autorennen ausprobieren, einfach um zu wissen, wie das ist. Das war eine nette Erfahrung.

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Sie sind gleichzeitig in den Klassen 350 und 500 Kubik gefahren. Wäre das heute noch für jemanden möglich?

Giacomo Agostini
Ja, das wäre möglich. Allerdings haben die Fahrer heute keine Lust darauf. Ihnen reicht es, in einer Kategorie zu fahren, und sie verdienen ja auch viel Geld damit. Es ist nicht notwendig für sie, in zwei Klassen zu fahren. Früher war das gang und gäbe, alle fuhren in zwei Kategorien, 125 und 250 oder 350 und 500 Kubik. Später hat das aufgehört. Nur Freddie Spencer ist dann noch in zwei Klassen gefahren und hat gezeigt, dass es möglich war, in beiden zu gewinnen. Aber heute haben die Fahrer keine Lust mehr, sich allzu sehr anzustrengen.

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Die Saison 2015 war eine der emotionalsten in den vergangenen Jahren, und sie nahm ein bedauerliches Ende. Wie sehen Sie den Streit zwischen Marc Márquez und Valentino Rossi?

Giacomo Agostini
Nun ja, jeder will gewinnen. Deshalb ist es schwierig, sich auf der Rennstrecke wie ein Gentleman zu verhalten, man muss da einfach aggressiv sein. Rossi und Márquez hatten ein Missverständnis, sie sind sauer aufeinander, aber so etwas gab es auch zu meiner Zeit. Es ist nicht schön, aber es kommt vor.

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Kann jemand Ihre Rekorde brechen?

Giacomo Agostini
Rekorde sind da, um gebrochen zu werden. Vielleicht schafft es irgendwann jemand, Rossi oder Márquez. Er ist noch sehr jung, wer weiß, vielleicht erlebe ich es noch, wie er mich schlägt.

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Letzte Frage: Wenn Sie eine Sache am heutigen Motorradsport ändern könnten, welche wäre es?

Giacomo Agostini
Ich bin kein großer Anhänger elektronischer Hilfsmittel. Ich ziehe es vor, wenn die Fahrer die Arbeit machen, nicht die Elektronik. Vielleicht bin ich auch einfach nicht daran gewöhnt. Die Jungen fahren ja von Anfang an mit Elektrohilfen, daher ist es nicht leicht für sie, das zu ändern.


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