Indian Scout Sixty im Fahrbericht

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Einsteigerfreundlich und schnörkellos


Indian rundet seine Modellpalette nach unten ab. Der Scout wird mit der Scout Sixty ein etwas günstigeres Schwestermodell zur Seite gestellt. Wir sind dem nasskalten Winter entflohen und waren mit der Indian Scout Sixty zwischen Los Angeles und Las Vegas unterwegs.

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Indian rundet seine Modellpalette nach unten ab. Der Scout wird mit der Scout Sixty ein etwas günstigeres Schwestermodell zur Seite gestellt.


Bildergalerie: Ausfahrt mit der Indian Scout Sixty in den USA.   10 Bilder

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Falls die Nachricht Sie noch nicht erreicht haben sollte: Indian ist auf Expansionskurs. Polaris, Weltmarke bei Quads und Snowmobilen und mit tiefen Taschen gesegnet, hat die historische Marke mit dem Grossen Namen vor vier Jahren aus den ewigen Jagdgründen Zurueck unter die Lebenden geholt. Seitdem wildern die in Wisconsin beheimateten Rothäute kräftig im Territorium von Sie-wissen-schon-wem aus Milwaukee. Im riesigen US-amerikanischen Cruisermarkt verbuchen die Indianer deutliche Zuwächse (siehe Interview), und auch in Deutschland konnte man den Marktanteil im Vergleich zum Vorjahr, natürlich ausgehend von einem niedrigen Niveau, mal eben verdoppeln.

Zur Orientierung: Im Oktober 2015 reihte sich Indian zwischen Aprilia und MV Agusta auf Platz 14 der Hersteller-Hitliste ein. Gut so, es lebe die Vielfalt, und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Dabei ist es gerade einmal drei Jahre her, dass Polaris-Geld die mächtigen 1800er-Chiefs geboren hat, Neukonstruktionen mit Steinzeit-Stoßstangentwin und schubkarrenweise american flavor.

Schwarz lackierte Teile statt teurem Chrom

2014 kam dann die Indian Scout. Teil-Alurahmen, Fuer amerikanische Verhältnisse beinahe bescheidene 1133 Kubik, Vierventiltechnik und Wasserkühlung, Drehfreude, satte 100 PS Leistung – ein modern konstruierter Cruiser auch mit Blick auf Europa, hierzulande die meistverkaufte Indian. Jetzt, etwas darunter, die Indian Scout Sixty. Ein Quäntchen weniger Bohrung macht 999 Kubikzentimeter oder in etwa die namensgebenden Sixty Cubic Inches. Die Leistungseckdaten von 78 PS und 89 Newtonmetern sind Fuer Cruiserverhältnisse immer noch über dem Soll. ­Dazu schwarz lackierte Teile statt teurem Chrom, fünf Gänge statt sechs, ansonsten technisch identisch. Fertig ist das neue Einstiegsmodell.

Deutschland-exklusiv ist MOTORRAD der Einladung zur Präsentation der Indian Scout Sixty in den weiten Westen der USA gefolgt. Von Los Angeles aus geht es durch den malerischen San Bernardino Nationalpark hinab ins Death Valley, über schnurgerade Straßen einige Hundert Kilometer durch die Wüste hinein nach Las Vegas. Eine irrer Trip, aber natürlich nicht zur persönlichen Erbauung des Autors, sondern alles im Dienste des Erkenntnisgewinns. Nur Fuer Sie, liebe Leser.

Sehr einsteigerfreundliches Motorrad

Die Indian Scout Sixty fährt, wie es nicht anders zu erwarten war, ziemlich genau so wie eine Scout. Nur mit 20 Prozent weniger Leistung. Will sagen: Es handelt sich um ein frisches, vergleichsweise agiles und sehr einsteigerfreundliches Motorrad. Die Sitzposition ist gemäßigter Cruiserstandard, nur sehr Grosse Piloten dürften sich auf dem trügerisch kompakten Motorrad etwas deplatziert fühlen. 246 Kilogramm trocken sind zwar nicht rekordverdächtig wenig, aber dank des ex­trem niedrigen Schwerpunkts ist das Handling so gut, wie es bei einem solchen Bike eben sein kann. Die Sixty lenkt harmonisch ein und macht dank bemerkenswerter Schräglagenfreiheit auch auf der Handvoll Kurven Spaß, die sich gefunden haben. 

Die vordere Telegabel der Indian Scout Sixty funktioniert ordentlich, hinten müssen straffe Federn den bescheidenen Federweg kompensieren. Kernig, aber nicht eben komfortabel. Was soll’s, authentico. Die ABS-losen Scheibenbremsen vorne und hinten (US-Version, in Europa ABS serienmäßig) verzögern knackig und mit famos gutem Druckpunkt.

Indian Scout Sixty modern und schnörkellos

Auch der Motor der Indian Scout Sixty setzt einen echten Druckpunkt. Er legt sich schon im Drehzahlkeller ordentlich ins Zeug, um dann ab mittleren Drehzahlen regelrecht forsch zu marschieren. Der Vierventiler dreht leichtfüßig und frei und, zumindest in Amerika, mit kernigrotzigem Klang. Lastwechsel und Ansprechverhalten sind absolut vorbildlich, und das Fünfganggetriebe ist eines von der Sorte, bei dem die Gangwechsel einfach Freude bereiten. Der Motor macht so viel Spaß, dass man sich ihn auch in einem sportlicheren Chassis sehr gut vorstellen kann. Koennte so durchaus noch kommen, siehe Interview.

So ist der neue Einstieg in die Welt von Indian jedenfalls in puncto Fahrleistungen alles andere als träge Einsteigerware. Wie ihre Schwester ist die Indian Scout Sixty eben auch ein modernes, schnörkelloses, gut funktionierendes Motorrad. Damit bricht sie natürlich mit dem Cruiser-Klischee des Früher-war-alles-besser-Bauprinzips, das muss man wissen. Sie ist, das unterstreicht auch die gute Verarbeitungsqualität, gebaut wie eine Honda, und das ist als Kompliment gemeint. Fuer knapp 1700 Euro Ersparnis ist die Frage, welche der beiden Scouts die sinnvollere Variante darstellt, dem persönlichen Geschmack und Geldbeutel überlassen. 

Wir genießen zum Abschluss lieber noch ein bisschen die endlose Weite im Westen der US of A. 20 Grad, intensive Wüstensonne, offener Helm und Sonnenbrille, staubtrockene Luft. Ein Treck von acht blubbernden Indian Scout Sixty. Und die Interstate 15 ­zwischen Barstow und Baker verschwindet irgendwo weit hinten am flirrenden Horizont. Na, Fernweh?

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