Interview des Monats: Bei den Grossen – Marvin Musquin über seinen Wechsel zu den 450ern

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Interview des Monats: Bei den Grossen – Marvin Musquin über seinen Wechsel zu den 450ern

Bei den Rennen der 450 SX-Klasse der AMA Supercross-Serie stehen in diesem Jahr drei Red Bull KTM-Werksmaschinen am Start. Ein eher ungewöhnlicher Anblick. Supercross ist weltweit die zweitgrößte Motorrad-Rennserie, vor allem dank Stadien (in denen normalerweise Football und Baseball gespielt wird) voller Fans und live Fernsehberichterstattung im größten Absatzmarkt für Hersteller. Letzte Saison gewann KTM durch Ryan Dungeys konstante Leistungen erstmals die 450 SX-Weltmeisterschaft und komplettierte die beachtliche Titelsammlung im internationalen Offroad-Rennkalender.

Für die Saison 2016 hat KTM das 450 SX-Werksteam noch einmal verstärkt: Marvin Musquin, der East Coast SX Champion 2015, erhält eine KTM 450 SX-F und steigt in die große Klasse auf. Der Franzose fährt seit 2009 für KTM – seit 2011 im US-Team – und erlebte in den letzten Jahren mit der KTM 250 SX-F eine Mischung aus Erfolgen und Verletzungspech. Nach seinem lang erwarteten Titel im letzten Frühjahr und dem nur knapp verpassten Titel in der AMA Pro National MX Championship, versucht Marvin sich nun an das größere Bike und die weltweit schnellsten Supercross-Athleten zu gewöhnen.

Marvin Musquin (FRA) 2016

Trotz seines Rookie-Status, wird Marvin, der im Dezember seinen 27. Geburtstag feiert, seiner Rennpace und seinem normalen Fitnesslevel schnell näher kommen, nachdem er sich im Winter, nach einem anstrengenden Wochenende im französischen Ernée und dem Erfolg bei den Motocross of Nations letzten September, einer Operation an der Hand unterziehen musste.

War es für dich schwieriger als erwartet, mit der 450er zurechtzukommen?
„Erm, ich würde sagen nein, denn alles, was passiert ist, habe ich so ungefähr erwartet. Ich hatte ein Problem mit meiner Hand und dem Handgelenk und habe bis nach den Motocross of Nations versucht herauszufinden, was zu tun ist. Durch die Operation haben wir das Problem an den Sehnen und Membranen gelöst und eine schwierige Situation doch noch zum Guten gewendet. Durch diese Verzögerung habe ich erst sehr spät begonnen, mit dem neuen Bike zu fahren; ich wollte mich erst erholen und die Beweglichkeit in meinem Handgelenk und den Fingern verbessern. Dass ich für ein paar Trainingseinheiten nach Florida fahren konnte, hat mir sehr geholfen, an meiner Kondition zu arbeiten. Es war ein langer, harter Weg und täglicher Physiotherapie. Aber nicht nur körperlich, auch mental war es eine anstrengende Zeit. Es gibt Fahrer [im berühmten und exklusiven Aldon Baker-Fitnessprogramm], die schon ein paar Jahre mehr Erfahrung mit der 450er haben. Auf der 250er war ich gut und ich weiß, es ist ein großer Schritt. Ich war noch nie besonders groß, hatte nie viele Muskeln und habe mich eher auf meine Technik, als auf meine Kondition verlassen. Seit ich mit Aldon arbeite, versuche ich auf die anderen Fahrer aufzuholen und ich merke bereits deutliche Fortschritte. Bei einem Test habe ich Jason [Anderson] und Ryan [Dungey] gesehen und dachte ‘wow’! Ich wusste, dass ich viel Arbeit vor mir haben würde, um an diese Jungs heranzukommen und an manchen Tagen finde ich den Anschluss, an anderen nicht; ich bin im Vergleich mindestens 10 Kilo leichter! Es ist gut, sie als Trainingspartner zu haben und natürlich das Wissen, dass das Red Bull KTM Team hinter mir steht, denn das bedeutet, ich habe die besten Voraussetzungen, um gut zu sein. Ich denke, ich werde jedes Wochenende dazu lernen. Ich habe ein gutes Basis-Setup für das Bike, aber ich muss mich nach wie vor verbessern und dadurch, dass ich so leicht bin, müssen wir noch ein paar Änderungen vornehmen.“

Marvin Musquins KTM 450 SX-F 2016

Fühlt es sich an, als wärst du wieder ein Rookie? Haben Pit [Beirer, KTM Motorsportdirektor] und Roger [De Coster] dir gesagt, du sollst dieses Jahr einfach nur dein Bestes geben?
„Ja, und Aldon hat mir das gleiche geraten. Auf der einen Seite ist es natürlich gut, keinen Druck zu spüren, aber auf der anderen Seite, ist es nicht das, was ich möchte. Es ist so einfach, Entschuldigungen zu suchen und für manche Leute mag das hilfreich sein … aber ich hasse es. Ich möchte nicht hören „es ist dein erstes Jahr, mach dir also keine Sorgen …“. Ich bin im besten Team, also muss ich auch gute Leistungen zeigen. Ich weiß, dass ich dazulerne und hoffentlich habe ich Spaß und kann ein paar gute Ergebnisse einfahren.“

Roger De Coster (BEL), Marvin Musquin (FRA) & Pit Beirer (GER) San Diego (USA) 2016

Kannst du beschreiben, wie es sich anfühlt, eine 450er bei einem SX-Rennen zu fahren?
„Das Bike fühlt sich durch den Motor schwerer an und insgesamt sind die 20 Runden anstrengender [bei den Rennen der 250 SX-Klasse sind es 15]. Die 450er fordert den Körper mehr als eine 250er und im Vorlauf in die Top 4 zu fahren, um sich direkt für das Main Event zu qualifizieren, ist ziemlich hart! Wenn du im Startgatter stehst und nach links und rechts schaust, dann siehst du viele gute Fahrer, das ist ziemlich aufregend. Hier möchte ich sein; die Stadien und die vielen Zuschauer … es ist einfach aufregend.“

Dean Wilson (#15, GBR) & Marvin Musquin (#25, FRA) Anaheim 1 (USA) 2016

Denkst du, du wärst früher in die 450er-Klasse aufgestiegen, wenn du nicht so viel Pech und Verletzungen gehabt hättest?
„Nein, so ist es nun mal gelaufen. Ich hatte ein paar Verletzungen und habe ein paar Saisons verpasst, aber wenn ich zurückblicke, kann ich nicht sagen ‘Ich hätte eher dies oder das tun sollen’. Ich habe von Jahr zu Jahr geschaut und am Ende die Meisterschaft gewonnen. Bei den Outdoors konnte ich mein Potenzial zeigen, ein paar Siege einfahren und 2015 um den Titel kämpfen. Wenn ich mir einen Fahrer wie Ken Roczen anschaue, dann ist er jemand, der jedes Jahr gute Ergebnisse eingefahren hat, kaum verletzt war und früh aufgestiegen ist. Er ist viel jünger als ich, aber am Ende – wenn ich mein Leben betrachte – bin ich glücklich. Wir haben ein gutes Leben und ich liebe, was ich tue. Jetzt bin ich in der 450er-Klasse angekommen, vielleicht ein bisschen spät, aber ich bin vor Kurzem erst 26 geworden und werden weiterhin von Jahr zu Jahr denken.“

Ich erinnere mich noch daran, wie du jedes Wochenende Grand Prix-Rennen gefahren bist und es schien, als wärest du eins mit deiner 250er, deine Technik war so effektiv. Kannst du das gleiche Level mit einer 450er erreichen?
„Als ich nach Amerika kam, hatte ich das Gefühl, dass es schwieriger war, auf dem Bike genauso gut zu sein wie in Europa und entspannt zu fahren. Ich dachte, ich müsste aggressiver sein. Vielleicht lag ich falsch, aber ich habe geglaubt, ich müsste hier mehr pushen und dass es schwieriger wäre, entspannt zu fahren. Vielleicht sollte ich darauf wieder mehr achten! Ich denke, ich habe hier ein bisschen von dieser Ruhe verloren und das hat auch mit der Art der Rennen und dem Training zu tun. Das Fahren ist hier mehr wie Arbeit, anstatt einfach rauszugehen und Spaß zu haben. Ich glaube, ich habe immer noch eine gute Technik und wenn ich mich wohlfühle, kann ich es zeigen.“

Marvin Musquin (FRA) KTM 450 SX-F San Diego (USA) 2016

Zu guter Letzt, wie lange hat es gedauert, bis die Euphorie nach dem Motocross of Nations verflogen war? Es muss für einen Rennfahrer das perfekte Wochenende gewesen sein …
„Mindestens zwei oder drei Wochen! Für einige Zeit habe ich jeden Tag daran gedacht. Jetzt sind ein paar Monate vergangen und die Gedanken kommen nur ab und zu. Es war unglaublich. Es wird sehr, sehr schwierig, dieses Wochenende zu wiederholen: die Nations in Frankreich mit den Nummern 1, 2 und 3 zu fahren, die Qualifikation zu gewinnen und die gute Atmosphäre zwischen Gautier [Paulin], Romain [Febvre] und Pascal [Finot, französischer Verband] war großartig. Es war mit Abstand das beste Rennwochenende. Ich bereue immer noch den kleinen Sturz, als ich mit Barcia zusammenstieß während wir um die Plätze kämpften.“

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