Kampf der bayrischen Titanen im Modelljahr 2015

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Nach dem Landstraßenfest mit der S 1000 RR wälzte sich NastyNils schlaflos im Bett. Das Adrenalin machte es ihm unmöglich zu schlafen. Die feurige Hatz durch die spanischen Küstenstraßen war einfach mörderisch. Die Liebe zum Supersportler wurde neu entdeckt. Doch dann am Nachmittag wurde noch kurz die S 1000 R ausprobiert und Zweifel machten sich breit. Ein eilig angesetzter Vergleichstest soll Klarheit schaffen.

Nach wenigen Stunden Schlaf wurde der 1000PS Videoboss Capt. Kuk am Frühstückstisch niedergeschwafelt. Dieser wollte sich eigentlich am Hotelpool sonnen, doch der Vergleichstest muss in den wenigen Stunden vor der Heimreise noch gefahren werden. Kuki schlang mächtige Reserven an Flüssigem und Festen in seinen Körper um den harten Tag zu überstehen – nun sollte es stressig werden. Die beiden Motorräder wurden beim BMW Motorrad Test-Camp ausgefasst. Klar genießen wir hier als langjährige Partner Sonderstatus, doch die Garage ist ganz normal mit hunderten BMWs gefüllt und Urlauber aus ganz Europa können ebenfalls ihre ganz persönlichen Vergleichstest fahren. Anders als die 1000PS Crew aber natürlich mit Guide, dafür aber auch in einem viel weiterem Aktionsradius und weniger Stress.

Wir konzentrierten uns bei der Ausfahrt auf die Küstenstraße zwischen Carboneras und Mojacar. Die Straße schlängelte sich wie bei einer Hochschaubahn über einen felsigen Abschnitt und schmiegt sich dann wieder an die um diese Jahreszeit wunderschöne Küste. Im Sommer stauen sich hier die Urlauber Stoßstange an Stoßstange zum nächsten Ort. Wir fuhren hier frühmorgens komplett einsam das Kurvenparadies. Die Straße bietet nicht überall grandiosen Grip, ist aber insgesamt ein konzentriertes Spiegelbild der Wirklichkeit. Zum Warmfahren wurde wieder die S 1000 RR rangenommen. Heute fährt sie sich noch flüssiger als gestern. Der Winterrost steckte scheinbar in den Knochen, die Schräglagen wurden nun noch weiter gesteigert (laut Display auf 50 Grad) und der Speed wirkte unübertrefflich. Schlampige Sitzposition war jedoch nicht drinnen. Die Fußballen wurden fest in die Rasten gekrallt und die Hände feinfühlig am Lenker platziert. Mit der 200PS Rakete ist Disziplin angesagt und jeder Handgriff muss sitzen.
Zum direkten Vergleich wurde die selbe Strecke mehrmals mit beiden Bikes gefahren. Inklusive Trip in das Städtchen Carboneras sowie die weit geschlungenen Kurven von dort bis zum Berg. Die Teststrecke war einfach komplett! Im Sattel der S 1000 R war es möglich etwas legerer zu sitzen. Damit ist nun nicht bloß die Sitzposition gemeint, sondern auch die Körperspannung insgesamt. Die Füße können etwas schlampiger positioniert werden, die Körperhaltung ist beinahe egal. Durch den breiten Lenker hat man einfach immer die Möglichkeit die Fuhre brutal in die Ecke zu drücken. Plötzliche Linienkorrekturen gelingen ebenfalls einfacher. Die RR ist das feine Skalpell die R eher die Doppelaxt.

Die R pauschal als „komfortabler“ zu bezeichnen ist übrigens nicht 100% richtig. Wenn man eine schnelle Ausfahrt macht und flüssige Passagen inhaliert, bietet die RR einfach mehr Windschutz und man bildet eine kompakte Einheit mit dem Motorrad. Auf der R ist man immer einen Tick mehr „Gast“ im Sattel und profitiert vor allem im Stadtverkehr oder bei den langsamen Passagen von der aufrechten Sitzposition. Pässe sind natürlich ebenfalls ein Heimspiel für die nackte Rakete. Insgesamt rücken durch den massiven Technikeinsatz beide Motorräder deutlich enger zusammen indem sie ihr Potential erweitern. Die S 1000 RR hat bekanntermaßen Heizgriffe montiert, ein Feature welches die Einsatzdauer und den Einsatzzweck deutlich verbreitert.

Ein großes Problem für das Testergebnis stellt jedoch das DDC dar. Früher mal war es so, dass die Nakedbikes für sportliche Fahrten eher zu weich waren und die Supersportler für gemützliches Cruisen viel zu hart. Nun ist es so, dass beide Bikes einfach immer das richtige Setup haben. Es gibt kein besser und kein schlechter sondern einfach zweimal saugeil. Doch halt! Da ist dieser feine Unterschied bei den ersten Metern jeder Kurve und dann auch beim Rausbeschleunigen. Der Unterschied ist zu klein um ihn in Worte zu fassen, aber die RR fühlt sich einfach einen Tick präziser an. Die Ursache ist in der Preisliste zu finden. Die RR ist einfach ein paar Tausender teurer als die R und kriegt damit auch 100% vom Technikpaket spendiert, die R eben nur 98%. Beim Federbein zum Beispiel ist bei der RR Zug- und Druckstufe einstellbar, bei der R eben nur die Zugstufe.

Diese kleinen aber feinen Unterschiede finden sich dann auch im Motor wieder. Während die BMW Ingenieure im unteren Drehzahlbereich der günstigen Maschine mehr Drehmoment implementiert haben, können nur im Sattel der RR die teuren Drehzahlbereiche erreicht werden. Dort warten dann eben auch die 200PS die sich dann gemeinsam mit der besseren Aerodynamik eben doch noch mal anders anfühlen als die rund 170 Pferde der R. Trotzdem lassen die Unterschiede bei Motor aber kein pauschales Testurteil zu. Nehmen wir zum Beispiel die Rennstrecke hier bei Almeria. Im Sattel der S 1000 R war ich im Infield ganz normal schneller unterwegs. Als Hobbyfahrer ist man eben nicht immer im richtigen Gang unterwegs, tut sich schwer das Drehzahlniveau der RR zu derreiten und erfreut sich am Drehmomentplus der R. Auf einer Strecke wie Brünn sieht das Duell dann aber ganz anders aus. Aber umgekehrt ist auch hier auf der Landstraße das Drehmoment oft aber nicht immer das einzige Kriterium. Es gibt sie noch – diese langen Geraden wo weit und breit nichts und niemand zu sehen ist. Dort wo man jegliche Vernunft zur Seite schiebt und auch bei 200 noch nachlädt. Dort wird die RR zum Marschflugkörper und degradiert die R zum tüchtigen und braven Alltagsmotorrad.

Schwenken wir jeodch wieder auf das Thema Technik und Elektronik. Die S 1000 R hat hier ein großartiges Navi in perfekter Art und Weise ins Motorrad integriert. Klar würde das auch irgendwie auf der RR gehen, aber wirklich elegant wird es nicht werden. Die RR bietet dafür den umfangreicheren Bordcomputer mit noch mehr Informationen. Die RR punktet dann aber ganz gewaltig mit dem Schaltassistent Pro (Rauf- und Runterschalten ohne Kupplung) wohingegen die R mit dem normalen Schaltassistenten auskommen muss. Fahrer anderer Marken mögen uns das Jammern auf diesem Niveau verzeihen. Ein Schaltassistent egal welcher Bauart erscheint für sie als purer Luxus, während man hier im Sattel der BMWs schon nach der nächsten Evolutionsstufe strebt.

Insgesamt ist dieser Test leider eine große Niederlage. Erstmals ist es so, dass nach dem Test noch mehr Unklarheit herrscht als davor. Die beiden Motorräder wildern viel tiefer im Revier des Gegners als ich vor dem Test für möglich gehalten hätte. Die gute Nachricht: Man wird tatsächlich mit beiden Bikes eine goldrichtige Wahl treffen. Die S1000RR erfordert jedoch etwas mehr Fitness, Fahrkönnen und Disziplin vom Piloten. Um trotzdem eine Kaufempfehlung abgeben zu können, würde ich Besitzern von bloß einem Motorrad eher den Griff zur S 1000 R raten. Ihr Einsatzbereich ist einfach noch mal ein wenig größer und der Preis ist immer noch unschlagbar. All jenen die auch noch ein anderes Bike oder einen Roller für die Stadt haben denen empfehle ich eher die S 1000 RR. Sie ist mit Supersportlern von vor 5 Jahren nicht mehr zu vergleichen. Gebt dem Segment also wieder eine Chance und probiert sie aus. Möglichkeiten dazu gibt es genug. Zum Beispiel beim BMW Motorrad Test-Camp oder bei den 1000PS Grippartys in Brünn, am Red Bull Ring und am Slovakiaring.


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