Landleben: Bauer sucht Stunt | ZEIT ONLINE

Bauer sucht Stunt. Seine Eltern wollten, dass Rainer Schwarz den Hof fortführt. Er wollte lieber Motorrad fahren. Heute ist er Stunt-Fahrer und hat die schnellsten Trecker im Allgäu. Rainer Schwarz posiert mit einer seiner Harleys in der Schaufel eines Radladers vor der Maissilage seiner Biogasanlage.Bauer Rainer Schwarz posiert mit einer seiner Harleys in der Schaufel eines Radladers vor der Maissilage seiner Biogasanlage. Er hat den schnellsten Traktor. Rainer Schwarz, 43, braucht freie Bahn. Sein Bauernhof ist picobello aufgeräumt. Mist auf den Fahrwegen, rostendes Gerümpel in der Ecke, das gibt es bei ihm nicht. „Ich bin nicht pingelig, aber sehr ordentlich“, sagt Bauer Schwarz. „Ordnung und Sauberkeit sind für mich Lebensqualität.“ Bei ihm hat alles seinen Platz. Nichts liegt im Weg, über das man stolpern könnte. Das kommt von seinem zweiten Beruf: Der Bauer ist professioneller Stunt-Fahrer für Harley-Davidson. In dem Job reicht schon ein Stein oder eine Schraube auf der Piste und Schwarz steigt schmerzhaft ab.Wie damals, 2003. Acht Rippen, beide Schlüsselbeine und das rechte Handgelenk hat er sich gebrochen. Schuld war eine Bodenwelle, an der sein Beifahrer hängen blieb. Der saß nicht hinten drauf, wie das bei einem Sozius so üblich ist. Bei Schwarz hängen Beifahrer rückwärts kopfüber vor dem Lenker. Er bremst die Maschine dann gerade so stark ab, dass sie auf dem Vorderrad weiterrollt und ihr Heck fast senkrecht Richtung Himmel streckt. „Dann kam die Welle und es hat uns überschlagen.“Das war sein letzter Unfall, seitdem ist nichts mehr passiert. „Ich habe mehr Erfahrung, bin reifer geworden.“ Aber eigentlich will er nicht über Unfälle reden. Das könnte ein schlechtes Omen bedeuten. Und er braucht doch heile Knochen, um seine Landwirtschaft zu betreiben.Seit 18 Jahren führt Schwarz ein berufliches Doppelleben: Montag bis Donnerstag ist er Bauer, an den Wochenenden Hardcore-Biker. Wenn man ihn nicht sieht, dann hört man die quietschende Reifen seiner Drifts. Oder man riecht verbrannten Gummi von Burn-outs. „Ich bin kein Akrobat auf zwei Rädern“, sagt er. Seine Kunst sei es, am Limit zu fahren. Bei ihm muss es schnell gehen. Je schneller, umso besser. Das ist sein Stil. Materialschonend ist das Gegenteil. Das ist die eine Seite des Rainer Schwarz. Die andere ist der ruhige, besonnene Typ. Er denkt nach, bevor er etwas sagt. Schaut seinem Gegenüber in die Augen. Ist konzentriert, dass nichts passiert.Sein Bauernhof liegt inmitten von Herbishofen. Straßennamen braucht man in dem 100-Seelen-Weiler nicht, Hausnummern reichen. Das Dorf ist im Unterallgäu, nur fünf Kilometer von Memmingen entfernt. „Ich wurde dazu erzogen, das elterliche Anwesen zu übernehmen“, erzählt er. Begeisterung klingt anders, man könnte meinen, er hatte Angst davor, als Bauer zu versauern.

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