Louis der Dickschiffkapitän

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Honda Gold Wing F6B, Gold Wing F6C, CTX1300 — Der Kollege der französischen Génération Moto stand mit seiner weißen CTX1300 am Straßenrand und deutete über seine Schulter nach hinten. Ha! Tatsächlich, da stand sie. Etwas in die Jahre gekommen vielleicht, aber egal …

Salut aux amateurs de grosses fesses und herzlich willkommen zum zweiten Teil der Frankreich-Reihe „Louis“. Teil 1 beschäftigte sich mit der französischen Straßenverkehrskultur und dem Rollerfahren bei Dauerregen, Teil 2 nun mit einer Wallfahrt und dem Lenken dreier Honda-Dickschiffe bei Sonnenschein.

Honda Presse-Roadtrip, Südfrankreich. Als fest stand, dass unsere Route von Aix-en-Provence nach St. Tropez führen würde, dem Schauplatz der Filmreihe „Der Gendarm von St. Tropez“, war klar, ich würde dem größten aller Franzosen, dem Maître de la Comédie, Louis de Funès, meinen Tribut zollen. Nur wie? Wieder den Bastkorb mit ausgedruckter Ikone? Das wäre zu plump. Außerdem unpassend, bei allem anderen außer einem Roller. Hm… (tl;dr – Siehe Platz 1)

Hier meine Top 3 (von drei) der gefahrenen Maschinen in umgekehrter Reihenfolge:

Platz 3: Gold Wing F6C – Marie Antoinette

Einer der Anker der französischen Seele ist ja bekanntlich die Revolution – ein sympathischer Wesenszug, wie ich finde, auch wenn uns die des Bodenpersonals vom Flughafen Charles de Gaulle beinahe zum Verhängnis geworden wäre und wir in ihrer Folge zwei Stunden früher los mussten, um unseren Alternativflug noch zu bekommen. Diese zwei Stunden fehlten an Fahrzeit und so ist der dritte Platz möglicherweise nicht ganz fair, da die F6C nicht die gleichen Chancen hatte, wie die anderen beiden Maschinen.

Richtung Flughafen, rapide!

Richtung Flughafen, rapide!

So aber wurde ich nicht richtig warm mit ihr. Und dabei kann ich gar nicht mal genau sagen, wieso. Der 1,8 Liter 6-Zylinder-Boxer der Gold Wing ist grandios, daran kann‘s nicht liegen. Er hat mich schon in der „normalen“ Wing, wie wir Fachleute sagen (glatte Lüge), begeistert. Er liefert Schub, in jedem Gang, bei jeder Drehzahl, und das linear wie ein Elektromotor. Optimiert man vom reichlichen Außenrum dann noch gute 80 Kilo Kommandozentrale und Geschützturm weg, muss das Ergebnis doch eigentlich gut werden.

Irgendwie fiel es mir bei den anderen beiden Maschinen aber leichter Vertrauen in sie zu fassen. Ob das am breiteren Hinterrad der F6C lag, das Honda extra in eine schicke neue Einarmschwinge gesetzt hat und das einfach dieses kleine Bisschen mehr Widerstand bietet oder woran auch immer, ich kann leider nicht mit dem Finger darauf zeigen.

Was ich ihr aber auf jeden Fall zugutehalten muss, ist die Optik. Auf Fotos fand ich sie mit den vielen runden Teilen und den nach oben zeigenden Seitenbacken arg schiach, wie die Alpenländer so wunderbar treffend sagen. Ich hätte mir etwas mehr Aggressivität gewünscht, härtere Linien, wie die CTX1300 sie hat. Aber in natura dann, fand ich sie nicht nur gar nicht mehr so schlecht, sondern – vor allem in schwarz – richtig gut.

Ein weiteres Lob: Der Klang. Nicht der der Stereoanlage, die blieb ja im Laufe der Evolution auf der Strecke. Nein, der Klang der Auspuffanlage. Die ist an der F6C nämlich anders als an der klassischen Gold Wing und der F6B. Die Toningenieure haben laut Honda lange daran gefeilt, eine zum anvisierten Charakter passende Klangkulisse zu schaffen – mit Erfolg. Dieses chefmäßige, tief bassige Brummen passt wie die Faust aufs Auge.

Specs:

Motor:1832 cm³ Sechszylinder-Boxer, 117 PS @ 5500 U/Min, 168 Nm @ 4000 U/Min
Gewicht:342 kg (vollgetankt)
Preis:21345 € (UVP inkl. Überführung)

Platz 2: CTX1300 – Die Weltraum-Schubkarre

Ein guter Tipp: öfter mal mehr Japaner sein.

Ich weiss nicht mehr genau wo, ich glaube es war auf RideApart, wo in einem Artikel zur CTX1300 geschrieben wurde, Honda zerre mit Gewalt die angestaubte Gattung Cruiser schreiend und umherschlagend in das 21. Jahrhundert. Als ich das gelesen habe musste ich zwar schmunzeln, muss aber auch widersprechen: Ich glaube nicht, dass das Hondas Intention war. Die CTX ist schlicht und ergreifend das, was dabei herauskommt, wenn sich ein japanischer Motorradhersteller nicht krampfhaft an das Dogma „Cruiser sind retro“ klammert. Mir gefällt sie jedenfalls; ich finde, den Designern ist bei der 1300er CTX Ähnliches gelungen, wie bei der 1100er CB: moderne Optik mit klassischen Zügen. (Wenngleich die CB natürlich deutlich in Richtung Klassik ausschlägt und die CTX in Richtung Moderne.)

Der quer zur Fahrtrichtung eingebaute 1,3 Liter V4 stammt aus der Pan European und ähnelt mit seinem turbinenartigen Charakter (und Klang) mehr der Gold Wing, als z.B. der im Vergleich heiseren VFR800F, die man sofort als V4 erkennt.

Das Fahren mit der CTX fand ich als Normalerweise-nicht-Cruiser-Fahrer zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig: Man sitzt da so bequem im Kapitänssessel der Kommandozentrale seines Raumschiffs und hat diese beträchtliche Menge Motorrad vor sich. In Verbindung mit dem breiten flachen Lenker, der einem entgegenragt, fühlt es sich ein bisschen an, als schiebe man eine Schubkarre vor sich her. Eine candyrote Weltraumschubkarre mit Turbinenantrieb und Koffern. Hat man sich aber daran gewöhnt (was nicht all zu lange dauert), merkt man schnell, wie gutmütig die CTX eigentlich ist: Erst schleifen die Fußrasten, dann klappen sie ein, dann schleift der Auspuff. Wenn es soweit ist – was vielen Cruiserfahrern egal (da uninteressant) sein dürfte -, sollte man allerdings in Erwägung ziehen, auf noch mehr Schräglage zu verzichten. Bis dahin aber ist die Enterprise wirklich gutmütig, berechenbar und sehr entspannt zu fahren.

Bluetooth ist Neuland.

Bluetooth ist Neuland.

Stören einen die Kratzgeräusche, kann man entweder etwas weniger ambitioniert zu Werke gehen, oder sie mit der bordeigenen Stereoanlage übertönen. Die ist nun endlich in der Lage per Bluetooth eine kabellose Verbindung mit dem Smartphone einzugehen, wodurch die Handgriffe „raus aus der Tasche, anstöpseln, ins Fach legen und beim Anhalten wieder retour“ wegfallen, die bei den Gold Wings leider noch nötig sind. Hat man die Geräte einmal erfolgreich miteinander gekoppelt, reicht es, die Bluetooth-Funktion am Quellgerät eingeschaltet zu haben und es verbindet sich automatisch, wenn die CTX an ist und man sich in Reichweite befindet. Man muss sein Telefon zwar noch immer aus der Tasche nehmen, um die Wiedergabe zu starten, aber danach kann es auch wieder dahin zurück. Außerdem kann man mit einer Bluetooth-Verbindung steuern, welches Lied gerade läuft, was bei der klassischen Kabelverbindung mit Klinkenstecker nicht möglich ist – praktisch, falls einem die heimliche Volksmusikleidenschaft doch plötzlich peinlich wird. Zur Anlage selbst: Ohne HiFi-Nerd zu sein, hätte ich den Klang als gut bezeichnet. Die Bedienung ist jedenfalls einfach, da auf das Wesentliche (stumm schalten, lauter/leiser, Lied vor/zurück) reduziert. Lediglich zum Koppeln der Geräte muss man wissen, was man tut. (Gleichzeitig „Mode“ und „Volume down“ drücken und warten, bis die Anzeige Paarungsbereitschaft signalisiert.)

Specs:

Motor:1261 cm³ 90° V4, 84 PS @ 6000 U/Min, 106 Nm @ 4500 U/Min
Gewicht:338 kg (vollgetankt)
Preis:17545 € (UVP inkl. Überführung)

Platz 1: Gold Wing F6B – B wie Bat Wing

Zwei alte Seebären.

Zwei alte Seebären.

Wir saßen am ersten Abend bei einem Whiskey zusammen an der Hotelbar, der französische Kollege der Génération Moto, Monsieur Trölf und meine Wenigkeit. Irritiert hatten wir festgestellt, dass keiner der britischen Honda-Leute Louis de Funès kannte. Kein einziger. Ob diese Bildungslücke nun tatsächlich echt oder typisch britische Frankophobie war, kann ich nicht sagen. Ich nehme aber an, sie war der Grund dafür, dass man meine Begeisterung nicht so recht nachvollziehen konnte, als klar wurde, dass wir nicht einfach nur so durch St. Tropez eiern würden, sondern an der Hafenpromenade entlang. Dort wurde die Parade zu Ehren der Gendarmen in „Balduin, der Schrecken von Saint-Tropez“ gedreht. Unterlegt ist diese Szene im Film mit dem Titelsong, der auch an anderen Stellen immer wieder in den Filmen auftaucht, dem „Marche des Gendarmes“. Den hatte ich mir einige Tage vor dem Abflug als MP3 gekauft und aufs Telefon geschoben. Ich dachte mir, es wäre doch eine schöne Hommage, das Lied bei der Einfahrt nach St. Tropez hinein aus den voll aufgedrehten Lautsprechern einer F6B oder CTX1300 schallen zu lassen – doch darauf habe ich verzichtet. Denn neben der Hafenpromenade – was alleine schon tres formidable gewesen wäre – würden wir noch direkt an einem anderen Drehort vorbeikommen, der alten Gendarmerie – ein so viel passenderer Ort für meine Huldigung.

Tja, und hier wären wir wieder am Anfang: Yohann (dessen Name ich hoffentlich richtig in Erinnerung und geschrieben habe) stand mit seiner weißen CTX1300 am Straßenrand und deutete auf die alte Gendarmerie. Mein Zeichen! Durch das erneute Drücken des Stummschalters entsicherte ich die Stereoanlage der F6B und die vier Lautsprecher hämmerten meinen akustischen Tribut an den großen de Funès mit allem was sie hatten in die schmalen Gässchen der Altstadt von St. Tropez. À tout seigneur tout honneur.

hafen_saint-tropez

Und die F6B? — Die darf, trotz der hässlichen Schaltereinheit rechts am Lenker, ihren voluminösen Hintern auf Platz 1 meiner kleinen Wertung parken. Im Zuge der Diät sind bei der F6B einige Funktionen weggefallen, die bei der GL1800, der „normalen“ Gold Wing, zur Grundausstattung gehören, wie zum Beispiel der Airbag, das GPS, die Sitzheizung oder der Rückwärtsgang. Das macht den Bagger nicht nur 28 Kilo leichter, es macht auch ihre Schalter obsolet, deren leere Stellen in der Armatur einfach mit schwarzen Blenden verschlossen wurden. Das sieht nicht so wirklich gut aus. Der Rest glücklicherweise schon. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Vor allem in schwarz.

The Lo-Vis Knight approves!

The Lo-Vis Knight approves!

Als die Fahraufnahmen im Kasten waren, konnte ich endlich wie ich wollte. Wir waren auf irgendwelchen verwinkelten, canyonhaften Sträßchen unterwegs, von denen ich mir nicht hätte vorstellen können, dass sie mit einem 385 Kilogramm schweren Brocken von Motorrad Spaß machen könnten. Taten sie aber. Fußraste links *krrrchts*, Fußraste rechts *krrrchts* – den Kessel immer gut unter Dampf haltend. Die meiste Arbeit erledigten dabei Drehmoment und Motorbremse. Großartig!

Specs:

Motor:1832 cm³ Sechszylinder-Boxer, 118 PS @ 5500 U/Min, 167 Nm @ 4000 U/Min
Gewicht:385 kg (vollgetankt)
Preis:24945 € (UVP inkl. Überführung)

Fotos: Honda / Foto Hafen: Moi


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