Motorradclub Tür an Tür mit den Hells Angels: Rocker richten sich „Privatclub“ ein

Von HOLGER VONHOF Seitdem das Schild „Angels Place“ an einem angegilbten Lokal in der Liederbacher Straße hängt, gibt es im Stadtteil Befürchtungen. Die Hells Angels richten dort derzeit einen „Privatclub“ ein.

Noch ist der „Angels Place“ an der Liederbacher Straße 95 geschlossen; am 12. März soll er eröffnet werden, und zwar, wie das Plakat an der Tür verkündet, mit einer Strip-Show, einem Tätowier-Künstler und Musik. Dazu sei „jeder willkommen“. Noch ist der „Angels Place“ an der Liederbacher Straße 95 geschlossen; am 12. März soll er eröffnet werden, und zwar, wie das Plakat an der Tür verkündet, mit einer Strip-Show, einem Tätowier-Künstler und Musik. Dazu sei „jeder willkommen“.
Frankfurt. Ein Skelett auf einem Chopper, darüber der Schriftzug „Angels Place“ – die Kneipe in der Liederbacher Straße sorgt für Unwohlsein im Stadtteil. Noch sind zwar die angegrauten Rollläden unten, aber das Schild an der früheren Sports Bar, vormals „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“, davor „Plauderstübchen“, hat die Bürger aufgeschreckt. Tatsächlich: Das „Charter South West Area“ der Hells Angels richtet dort sein Clubhaus ein. Im Gegensatz zu den Chartern „Westend“ und „Frankfurt“ ist diese Gruppe der Hells Angels nicht verboten. Die Frankfurter Polizei weiß, dass die Hells Angels sich dort gerade einrichten – und kann nichts dagegen unternehmen: „Gegen die Gruppe liegt nichts vor“, sagt Polizeisprecher Alexander Kießling.

Nur einen knappen Kilometer weiter, an der Landesstraße 3016, hatten die Hells Angels früher ein Gartengelände, blickdicht eingezäunt und mit Video-Kameras abgesichert. Später bezog das „Charter Westend“ eine Gründerzeitvilla an der Mainzer Landstraße, die der damalige Innenminister Boris Rhein (CDU) 2011 mit einem Polizeieinsatz schließen ließ; die Charter „Westend“ und „Frankfurt“ wurden verboten, weil sie laut Rhein den Zweck hätten, „kriminelle Macht zu entfalten und Gebiets- und Machtansprüche durchzusetzen“.

Bei den Hells Angels handele es sich um „lupenreines organisiertes Verbrechen“, sagte Rhein damals. Die Villa an der Mainzer Landstraße gehört dem Land Hessen. Seitdem hatten die Hells Angels in Frankfurt kein Clubhaus mehr; das Tragen der Rocker-Kutten der Angels mit den Schriftzügen „Westend“ und „Frankfurt“ sind seitdem verboten. Das Verbot betrifft aber keine anderen Charter und auch nicht die Club-Insignien wie den Totenkopf.

Bislang unauffällig

Das „Charter South West Area“ hat andere Mitglieder als die beiden berüchtigten Gruppen, ist bislang nicht auffällig gewesen. Trotzdem verunsichert das Schild am früheren „Plauderstübchen“, nur hundert Meter von der historischen Dorfkirche Unterliederbachs entfernt; auch Lokalpolitiker sind von besorgten Anwohnern bereits angesprochen worden – etwa Ortsvorsteher Manfred Lipp (CDU), der am Dienstag seine letzte Sitzung geleitet hat, weil er sich aus der ehrenamtlichen Politik verabschiedet. Lipp: „Ich wurde schon gefragt, wer dahinter steckt.“

Vorher schon Biker-Kneipe

Der Vorsitzende des Regionalrats Unterliederbach, Heinz Alexander, hat sich kundig gemacht und mit der Polizei gesprochen. Gegen die Leute liege nichts vor, sagt Alexander. Schon vor der Einrichtung des „Angels Place“ seien die Räumlichkeiten an der Liederbacher Straße 95 eine Biker-Kneipe gewesen; Beschwerden hätte es allenfalls gegeben, wenn nachts mehrere Leute mit ihren schweren Motorrädern durch die Straßen geknattert seien. Auch das zuständige 17. Polizeirevier könne nichts gegen die Leute sagen, so Alexander. Der Regionalrat kümmert sich um die Sicherheit im Stadtteil; auch die Polizei arbeitet dort mit.

66 Charters der Hells Angels gibt es derzeit offiziell in Deutschland; das reicht von „Charter Baltic Coast“ bis „Charter Black Forest“. Im Rocker-Milieu ist derzeit der „Osmanen Germania Boxclub“ die am schnellsten wachsende Gruppierung, die sich auch gegenüber den Hells Angels aggressiv zeigt. Die „Osmanen“ wurden im April vorigen Jahres in Hessen gegründet. Ob „Osmanen“, „Hells Angels“, „Bandidos“, „Mongols“ oder andere Banden: Das Wettrüsten und der Kampf um Einflussgebiete nimmt in ganz Deutschland zu. Frankfurt stand im Sommer 2014 kurz vor einem Rockerkrieg von türkischen gegen „traditionelle“ Hells Angels; die Sicherheitsbehörden haben die Szene weiter im Blick. Die Hells Angels werden immer wieder mit Drogen-, Waffen- und Menschenhandel und anderen Straftaten in Verbindung gebracht. In Frankfurt arbeiten Mitglieder des Motorradclubs als Bordellbetreiber, Wirtschafter oder Türsteher im Rotlichtviertel.

Quelle: http://www.fnp.de

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