Motorradfahren ist Sport: Interview mit Prof. Dr. Ingo Froböse

Ingo Froböse ist Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Sporthochschule Köln. Bei „Runter vom Gas“ spricht er über physische Anforderungen beim Motorradfahren, Trainingsmöglichkeiten und den Sicherheitsfaktor Fahrerfahrung.

Herr Froböse, Motorradfahrer können in Situationen geraten, die belastend sind und Stressgefühle auslösen. Welche Voraussetzungen müssen Biker erfüllen, um diesen Belastungen stand zu halten?

Komplett vermeiden lassen sich solche Situationen sicher nicht. Aber Motorradfahrer können lernen, besser damit umzugehen und den Stress schneller abzubauen. Hier gilt: Wer mehr Ausdauer hat, kann sich länger konzentrieren und reagiert souveräner. Außerdem wirkt sich mehr Muskelmasse positiv auf die Stoffwechselregulation aus. Ein Beispiel: Bei Stress wird im Körper Zucker in die Blutbahn freigesetzt, der durch Muskelarbeit wieder abgebaut wird und den Blutzuckerspiegel wieder senkt. Regelmäßige Pausen helfen Motorradfahrern, stressbedingten Verspannungen vorzubeugen.

Warum zeigen ältere Fahrer im Vergleich zu jüngeren und vermeintlich fitteren Bikern weniger Stress- und Belastungssymptome auf?

In fast allen Sportarten gilt: Ältere Fahrer profitieren von ihrer Erfahrung. Deshalb bleiben sie in kritischen Situationen nicht nur gelassener und ruhiger, sondern treffen ihre Entscheidungen auch schneller als junge. Generell kommt es nicht auf das biologische Alter der Fahrer an. Es kommt auf die Fahrpraxis an. Je größer die Fahrerfahrung, desto sicherer sind sie in der Regel unterwegs.

Inwiefern ist Motorradfahren Sport?

Biker müssen wie andere Athleten nicht nur körperlich und mental fit sein, sie sollten auch über ein ausgeprägtes Reaktionsvermögen verfügen, geschickt sein und Situationen antizipieren. Für eine richtige Körperhaltung müssen Motorradfahrer vor allem bei einer hohen Geschwindigkeit zum Beispiel eine ausgebildete Haltemuskulatur haben.

Für welche anderen Sportarten muss man ähnliche Voraussetzungen erfüllen?

Motorradfahren ist vergleichbar mit anderen Motorsportarten. Es geht um Geschwindigkeit, Reaktionsvermögen und das Gespür für das Fahrzeug. Parallelen gibt es aber auch zwischen dem Motorrad- und dem Rennradfahren. Die Fahrer müssen ein Gefühl dafür entwickeln, wie sie durch Kurven fahren, den richtigen Bremspunkt finden und wieder beschleunigen.

In den Online-Videos mit Hannes Jaenicke zeigt „Runter vom Gas“, welche Vorbereitungen auf die neue Saison wichtig sind. Wie schaffen es Motorradfahrer, fit aus der Winterpause zu kommen?

Eine lange Trainingspause führt in jeder Sportart dazu, dass die Leistungsfähigkeit in wichtigen Bereichen nachlässt. Motorradfahrer können im Winter Fahrpausen nicht vermeiden, aber Kraft- und Ausdauertraining fördern die Fitness. Zudem sorgen Sportarten wie Tennis oder Squash für bessere Reaktions- und Koordinationsfähigkeiten.

Wie extrem strapazieren Fahrer mit Übergewicht und mäßiger Fitness ihren Blutdruck und ihre Herzfrequenz?

Zu hohes Körpergewicht und Bewegungsmangel können zu Bluthochdruck führen und sich negativ auf das Herzkreislaufsystem auswirken. Deswegen sollten nicht nur Motorradfahrer durch regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining auf ihre Gesundheit achten.

Weitere Informationen zum Thema Motorrad und zur richtigen Vorbereitung auf eine neue Saison, finden Sie hier.

 

Quelle: Motorradfahren ist Sport: Interview mit Prof. Dr. Ingo Froböse

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