Rocker formieren sich im Norden neu

25 February 2016 | 12:51 am

Rocker von Hells Angels MC und Bandidos MC sind in Schleswig-Holstein wieder auf dem Vormarsch. Nachdem es so ausgesehen hatte, als sei die Macht der Motorradclubs gebrochen, treten ihre Mitglieder jetzt wieder offensiv in der Öffentlichkeit auf. Das LKA ist alarmiert.

Lübeck/Kiel. Auch die Spuren eines bewaffneten Raubüberfalls in Lübeck führen ins Rockermilieu.

Nachdem sich das Charter der Hells Angels in Lübeck 2014 aufgelöst hatte, vermutlich um einem drohenden Vereinsverbot zuvorzukommen, sind sie jetzt ganz offiziell wieder da. Stefan Jung, Sprecher des LKA Schleswig-Holstein, bestätigte, dass sich der Club unter dem Namen „Hells Angels Lubeck“ neu gegründet hat. Wie die LN erfuhren, wollten die Rocker das wohl auch beweisen: Am 9. Januar zogen die Angels zusammen mit einigen Unterstützergruppen in voller Montur durch Kneipen und Discotheken in der Lübecker Altstadt. Straftaten habe es dabei zwar keine gegeben, die Polizei hatte den Aufzug von 15 bis 20 Personen aus der Ferne begleitet. Die Einschätzung des LKA ist aber klar: „Das war eine eindeutige Machtdemonstration.“
Lübeck steht damit nicht allein. „In Kiel beobachten wir, dass die Bandidos wieder verstärkt in der Öffentlichkeit auftreten“, sagt Stefan Jung. Die Landeshauptstadt ist allerdings traditionell das Pflaster der verfeindeten Hells Angels. Hinweise, dass der Konflikt zwischen Hells Angels und Bandidos, der in Holland derzeit mit größter Brutalität geführt wird, auch im Norden wieder ausbrechen könnte, hat das LKA derzeit nicht. „Im Umfeld der Rocker finden aber nach wie vor alle Arten von Rotlichkriminalität statt“, erklärt der LKA-Sprecher.

Innenminister Stefan Studt (SPD) versichert, dass die Null-Toleranz-Strategie der Landesregierung gegen Rocker weiterhin gültig sei. „Rocker-Banden stellen eine erhebliche Bedrohung für die Gesellschaft dar“, erklärt Studt. Die Polizei beobachte die Entwicklungen daher sehr aufmerksam.

Nach LN-Informationen führen auch die Ermittlungen eines schweren Raubüberfalls ins Rockermilieu, wie Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders auf Nachfrage bestätigte. Demnach waren am 25. August drei bewaffnete Männer in eine Lübecker Wohnung eingedrungen, hatten die beiden Bewohner gefesselt, geschlagen und bedroht. Sie entkamen mit mehreren Wertgegenstände. Ein Opfer soll nach LN-Recherchen ein ehemaliger Beamter der Bundespolizei gewesen sein. Details gab Anders aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preis.

Auftrieb hat den Rockern offenbar das 2015 vom Bundesgerichtshof kassierte Kuttenverbot gegeben. Auch in der Öffentlichkeit dürfen sie sich damit wieder in ihren Vereinsuniformen zeigen.

Rockerclubs im Norden

Hells Angels MC: Charter „North End“ in Norderstedt (Kreis Segeberg) und Neugründung in Lübeck, Charter Kiel und Flensburg 2012 verboten.
Red Devils MC: Unterstützerclub der Hells Angels, vertreten in Rendsburg, Neumünster und Flensburg
Bandidos MC: Derzeit nur Chapter „Northgate“ in Wahlstedt (Kreis Segeberg), Chapter in Neumünster wurde 2010 verboten
Chicanos MC: Bandidos-Unterstützer, vertreten in Heide, Kiel und Neumünster
Contras MC: ein Chapter in Neumünster
Mongols MC: Club in Kiel 2013 aufgelöst

http://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/LKA-in-Sorge-Rocker-formieren-sich-im-Norden-neu

Weiterlesen

Westbikers.de stellt über eine RSS- bwz. Feedschnittstelle einen Auszug der jeweiligen Webseiten dar.
Für das Urheberrecht, also den Inhalt, Videos und Bilder sind die Betreiber der jeweiligen Seiten verantwortlich

Seite generiert in 0,892 Sekunden