Schottertour Schwäbische Alb

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Einer kam durch


Weg von Schreibtisch, Werkbank oder Bildschirm und ab ins Unterholz. Endurofahren als Wellness-Therapie – eine Schottertour auf der Schwäbischen Alb.

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Schottertour über die Schwäbische Alb.


Gleich zum Frühstück eine knietiefe Wasserdurchfahrt und jede Menge andere kleine Herausforderungen auf der Endurotour, sehen Sie in unserer Bildergalerie.   25 Bilder

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Der reinste Wahnsinn. Man hat das Gefühl, hier laufen sämtliche Verkehrsstaus der Welt zu einem Knäuel zusammen. Es steht in und aus allen Richtungen. Flucht aus der Blechlawine unmöglich, Umkehren sinnlos. Dem tagtäglichen Kollaps auf der A 8 zwischen Stuttgart und München entkommen die zehn Stollenritter nur mit Mühe – und auf einem staubigen Feldweg.

Uff, geschafft! Schon wenige Hundert Meter von der Autobahn entfernt verkriecht sich die Meute im Unterholz, kraxelt über steile Bergsträßchen hinauf auf die Schwäbische Alb. Dort, wo es sechs Monate Winter, aber nur sechs Wochen Sommer geben soll, schlängelt sich die Lichterkette der Enduros durch saftige Wiesen und weiß glitzernde Felskronen. Hier oben, so scheint’s, ist die Welt noch nicht aus den Fugen geraten. Anders als im Einzugsgebiet der Landeshauptstadt Stuttgart, wo Hektik und kaum zu bremsende Geschäftigkeit das Dasein bestimmen, ist auf dem Hochplateau das lebenswerte Schwabenland daheim.

Wo selbst linguistische Experten scheitern

Hier schaut man sich beim „Grüß Gott“ noch in die Augen, wechselt auch mit dem Fremden am Dorfbrunnen ein paar Worte. Sofern der den tief schwäbischen Dialekt versteht. In zentralschwäbischen Flecken, so heißen hier die Dörfer, könnten auch linguistische Experten an der Aufforderung „d’r Abbarad radra“ grandios scheitern. Obwohl es nur darum geht „den Apparat herunterzutragen“. Die als eigenbrötlerisch verschrieenen Ureinwohner sind, wenn man ihnen aufrecht und offen gegenübersteht, ein grundehrlicher Menschenschlag, auch wenn sie den Humor nicht gerade freimütig auf der Zunge tragen.

Links, rechts, links – zwischen Tomatensträuchern und mächtigen Rhabarberstauden führt ein grober Schotterweg hinaus aus dem Dorf und lädt die Enduro-Meute geradezu ein, ihre hochbeinigen Geräte durch die entlegene Landschaft zu treiben. Weder Tafeln noch Verkehrsschilder weisen den Weg, nur der im wahrsten Sinn des Wortes bewanderte Endurist kennt die legalen Schleichwege zwischen Neckar und Donau. Und von denen gibt es mehr als man vermutet. Als Kurzanbindung von Gehöften und kleinen Weilern haben sich die Schotterwege bis heute gehalten. In diesem Fall freuen wir uns riesig, dass die Teerdecke dem staatlich verordneten Sparzwang zum Opfer fällt und hoffen auf einen weiteren Verfall der einsamen Wege kreuz und quer über die Alb. Auf solchen fast autofreien Pfaden wird die Erforschung des südlichen Zipfels von Deutschland noch spannender.


Genau das richtige Geläuf also, um bei der MOTORRAD action team-Tour mit gezähmten Grobstollern in gemächlichem Tempo durch die felsige Landschaft zu pirschen. Gemächlich deshalb, weil unsere Gruppe die ganze Bandbreite an Fahrzeugen und Fahrtalenten aufbietet. Matthias Klösgen, mehrfacher Wiederholungstäter der Süddeutschland-Touren und erfahrener Crosser, hat sich eine KTM LC4 zugelegt. Ein Gespann, das mit unseren Schotterpisten unterfordert ist. Was die Freude am Erkundungstrip aber nicht schmälert, zumal die Stunde der beiden noch kommt.

Nur der im wahrsten Sinn des Wortes bewanderte Endurist kennt die legalen Schleichwege zwischen Neckar und Donau. Zum Glück kennen wir so einen.

Posted by MOTORRAD on Donnerstag, 28. Januar 2016

Mit Straßenprofil wäre hier Schicht im Schacht

Für Martin Ilg und seine BMW F 800 GS hingegen sind die grob geschotterten Wege über Berg und Tal Abenteuer genug. Ohne Geländeerfahrung, aber mit viel Spaß balanciert er seinen Zweizylinder durch Passagen, die ihm bislang fremd und unbezwingbar erschienen. Fahrwerkstechnisch am unteren Ende des Aufgebots: die liebevoll zum Scrambler umgebaute Kawasaki W 650 von Wolfgang Deißler, der sich aber einen Dreck darum kümmert und vehement durch selbigen pflügt. Zwischen KTM und Scrambler reihen sich die Enduros auf, die als unkaputtbar und megarobust Enduro-Geschichte schreiben: Suzuki DR 350, DR-Z 400 und BMW R 80 G/S. Alles Musterschüler in Sachen Funktion und Widerstandsfähigkeit selbst in Notsituationen. Diese Motorräder kommen überall durch. Überall.


Auch dort, wo sich die Gruppe teilt. Links die Alternative auf Asphalt, rechts der düstere Hohlweg als Direktaufstieg. Nicht den Schwung verlierend und den Blick nach vorn, ackert die Meute dem Gipfel zu. Mit Straßenprofil wäre hier Schicht im Schacht, die Stollen der TKC 80 und Heidenau Scout schaufeln, was das Zeug hält. Akrobatisch eingeritzte Schlangenlinien zeugen von dramatischem Spurverlust, hektisches Fußeln und wildes Gegenlenken vom eisernen Willen, den Gipfelsturm zu vollenden. Eins, zwei, drei,… acht, neun: Alle da, weiter geht’s.

Feines Granulat, grobkörniges Geröll, fiese Grasnarben

Nördlich der Donau, dort wo die Schwäbische Alb sanft ins Oberschwäbische übergeht, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nein, es ist sicher nicht der Arsch der Welt – aber man kann ihn von hier aus schon ganz gut sehen. Was den Schottertouristen nur recht sein kann. Links, rechts, hoch, runter. Feines Granulat wechselt mit grobkörnigem Geröll und fiesen, frisch gewässerten Grasnarben. Das fette Grinsen unter Helmen wird feister, Maschinen und Maschinisten haben sich bei der Wandertour standesgemäß eingesaut und bis in die letzte Ritze mit weißem Kalkschlamm zugesabbert. So mancher GS Adventure-Besitzer würde diese martialische Bemalung am liebsten mit Klarlack konservieren. Von wegen Schlamm aus der Dose und so. Zu spät. Monsunähnlicher Kübelregen bereinigt die Sache im Wortsinn, besser kriegt’s auch der Dampfstrahler nicht hin. Triefend nass biegt die Meute im Donautal ab. Kaffeepause. Handschuhe dampfen auf heißen Kühlrippen vor sich hin, Endurostiefel werden entwässert und so manche Goretex-Jacke entpuppt sich, vollgesaugt mit Regenwasser, als eisige Kältekammer. „Scheißwetter“! Die ollen Regenkombis waren gar nicht soooo schlecht.


Das Schöne an der Wanderausfahrt: Man hat Zeit. Hier geht’s nicht um Kilometerfressen oder die schnellste Verbindung von A nach B, sondern ausschließlich um den Spaß an der Freud. Luftlinie ist die Tagesetappe genau 80,2 Kilometer kurz, nimmt man die schönsten Kurven und Schotterstrecken mit, kaum 200. Deshalb bleibt die Zeit für einen zweiten Cappuccino und den Enduristen für ein paar witzige Anekdoten zum Tag und der abwechslungsreichen Strecke, die uns beim Ausklang noch über eine kilometerlange Schotterpassage in den rustikalen Gasthof direkt an der Donau bugsiert. Hier ist tatsächlich Ende, Sackgasse. Aber wohl eine der schönsten In Deutschland. Zur Belohnung gibt es Schmorbraten vom selbst gezüchteten Zebu-Rind und ein paar süffige Kaltgetränke in höchst geselliger Runde.

Lieber trocken bleiben als zum Gespött werden

Nebelschwaden hängen über der Donau, die silbrig glitzernd durch das enge Tal gurgelt. Im Westen lichten sich die Wolken, es wird ein schöner Tag. Fotograf Markus Jahn hat sich der Meute angeschlossen. Mit der Suzuki GSX 1000 F, dem Dauertestmotorrad. Die muss da durch, der Markus auch. Er sollte das schaffen, denn Markus fuhr Motocross, dann Trial und jetzt eben GSX 1000. Was soll’s? Das fragte sich auch das halbe Dutzend Enduristen, die vor der knietiefen Wasserdurchfahrt ehrfürchtig Reißaus nahmen. Lieber trocken bleiben als zum Gespött werden, wenn die Fuhre in Richtung Schwarzes Meer gespült wird. Stattdessen biegen wir stramm nach Süden ab, zum schönsten Zipfel des Bodensees am Haldenhof. Der Plan war gut, die Sicht weniger. Der graue Wasserdampf hängt auch jetzt, Ende September, dicht wie Zuckerwatte über der Landschaft. Kein See in Sicht.


Wir drehen ab, dorthin, wo sich die Berge aus dem Nebel schälen. Über das idyllische Wasserburger Tal krabbeln die Enduristen auf die 862 Meter hohe Witthoh südlich der Donau. Sonne, Sicht und schöne Strecken – was will man mehr? Eine knackige Endurostrecke vielleicht? Mit Sprüngen, Hügeln, Steilkurven? Bitte schön, ist alles da, weil der nette Vorstand des Motorsport Clubs Emmingen-Liptingen (www.mscel.de) uns seine Crosspiste zur Verfügung stellt. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an den rührigen Club, wir kommen wieder! Schon deshalb, weil die anspruchsvolle Strecke diesmal zu nass war, um mit BMW und Konsorten durchzustarten. Lediglich Matthias und seine KTM wagten sich auf das glatte Parkett und wurden mit Applaus belohnt. Nicht nur, weil er sich als Einziger durch den glitschigen Schlamassel wühlte, sondern auch für seine spritzige Wasserdurchquerung gleich zum Frühstück. Der Einzige, der durchkam.


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