Suzuki Address 110 – im Test

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Größter Vorteil des Suzuki Address ist sein japanischer Pragmatismus, was sehr gut vom jetzt überarbeiteten Antrieb dokumentiert wird.

Suzukis Address ist das Mauerblümchen unter den Rollern des japanischen Zweirad-Herstellers: Schon seit 1987 im Programm und seitdem über die Jahre stetig modellgepflegt, blieb ihm ein Auftritt im Scheinwerferlicht der Messen verwehrt.

Dem Erfolg war das nicht abträglich: Weltweit konnte Suzuki 640.000 Einheiten an den Mann und die Frau bringen. Weil der Address überall auf der Welt und nicht nur in Europa gut ankommen soll, weist sein gebläsegekühlter Einzylinder einen Hubraum von lediglich 113 ccm auf – anstelle der für europäische Leichtkraftroller erlaubten 125er-Kapazität.

Dieses Manko überspielt der moderat langhubig ausgelegte Zweiventiler durchaus gekonnt mit einer unerwartet sonoren Auspuffnote und erfrischenden Spurtqualitäten, die man dem lediglich 9 PS starken Antrieb nicht zugetraut hätte.

Aus dem Stand beschleunigt der Suzuki-Roller bis Tacho 70 freudvoll und subjektiv keinen Deut langsamer als die „echten“ 125er. Danach wird’s zäh, und bei echten 95 km/h ist Schluss. Doch das macht der Einspritzer mit sanfter Laufruhe und bester Sparsamkeit wieder wett: Auf 100 Kilometer fließen im WMTC-Modus gerade mal 2,04 Liter durch die Düse, was mit einer Tankfüllung von 5,2 Litern einen respektablen Aktions-Radius von 254 Kilometer bedeutet.

Für den Sanftmut und den guten Verbrauch haben die japanischen Entwickler die innere Reibung verringert und die Verbrennungseffizienz erhöht. Soviel Entwicklungsaufwand sieht man dem unscheinbaren Scooter nicht an, doch das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen.

Apropos Aussehen: An der Optik wurde tatsächlich auch gefeilt. Die Front ist nun schmal und sportiv, auch in die Lichtleisten integrierte Positionsleuchten sind neu und der Kotflügel vorn tief heruntergezogen. Als einzigen sichtbaren Luxus haben die Produktplaner dem Address formschöne Leichtmetallgussfelgen mit auf den Weg gegeben.

Spürbare Großzügigkeit vermittelt der 110er allerdings beim Aufsitzen. Trotz kompakter Dimensionen bietet er dem Fahrer ein geräumiges Plätzchen mit angenehm aufrechter Ergonomie. Auf dem flachen Trittbrett finden die Füße guten Halt, nur der Raum nach vorn ist etwas beengt. So gut es sich hinterm Lenker sitzt, so knapp fällt das Angebot für Beifahrer trotz ausklappbarer Fußrasten aus.

Für den Solobetrieb reichen die schmächtige 26er-Telegabel wie das nicht einstellbare, sensibel ansprechende Einzelfederbein am Heck aus. Beide sind jedoch unterdämpft und schwingen nach Bodenwellen spürbar nach.

Der Agilität tut das keinen Abbruch; der weniger als 100 Kilo wiegende Japaner lässt sich mühelos von einer Ecke in die nächste werfen und umrundet Hindernisse mit einem spielerischen Lenkerschlackern.

Seine 14-Zoll-Bereifung stellt dabei den passenden Kompromiss aus Stabilität, Präzision und Wendigkeit dar, ergänzt durch einen nicht zu verachtenden Abrollkomfort, der mit kleineren Rädern nicht zu realisieren wäre.

Das Fahrwerkspaket macht eine erstaunlich effektive und sehr gut dosierbare Scheibenbremse vorn komplett. Dagegen stört die Trommelbremse hinten mit einem matschigen Druckpunkt und starker Blockierneigung, die schlecht zu erfühlen ist.

Bei der Ausstattung herrscht Pragmatismus: Serienmäßig sind Haupt- und Seitenständer, Elektro- und Kickstarter, eine Sitzbankfernentriegelung, Feststellbremse am linken Bremshebel und ein 20-Liter-Stauraum, in dem sich ein vollwertiger Integralhelm unterbringen lässt. Die beiden Frontfächer sind unpraktisch, weil sie nach oben offen sind.

Für den Preis von knapp 2.000 Euro kann man natürlich keine perfekte Verarbeitung und tolle Features verlangen. Stattdessen ist der Address ein robuster Partner mit überzeugenden Alltagsqualitäten, der sich dank der knappen Dimensionen auch zum Aufsatteln an ein Wohnmobil eignet.

Automatikroller mit flüssigkeitsgekühltem Einzylinder-Viertakt-Motor, zwei Ventile, ohc, Hubraum 113 ccm, Bohrung x Hub: 51,0 x 55,2 mm, max. Leistung 6,7 kW/9,1 PS bei 8.000/min, max. Drehmoment: 8,6 Nm bei 6.000/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, CVT-Automatikgetriebe.

Stahlrohr-Rahmen, Teleskopgabel vorn, Triebsatzschwinge mit einem Federbein hinten, eine Scheibenbremse vorn, Trommelbremse hinten, Reifen vorn 80/90-14, hinten 90/90-14, Sitzhöhe 755 mm, Tankinhalt 5,2 Liter, Leergewicht 97 kg, Zuladung 173 kg.

Preis 1.990 Euro (in Österreich und Deutschland).


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