Vergangenheit als Inspiration

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Die Mischung macht es bei dieser Motorradmesse mit dem typisch italienischen Temperament, da spielt sogar das Wetter mit: Sonne satt in Verona, obwohl das bei all den prall gefüllten sieben Hallen nicht von wirklich wichtiger Bedeutung wäre. Draußen zwischen den Hallen und dem riesigen Außengelände spielte allerdings auch die Musik, gab es dort doch bei regelrechtem Biergartenwetter neben satt Essen und Trinken vor allem die obligatorischen Stuntriding-Vorführungen zu bewundern. Kein Geringerer als Kevin Carmichael trat mit den divers modifizierten Triumph-Bikes gewohnt souverän und mit spektakulären Pirouetten auf, neben all den Youngsters, die ihm noch länger nicht das Wasser reichen können. Bereits dort versammelten sich unter freiem und blauem Himmel auf 70.000 qm so viele Menschen, dass drinnen doch eigentlich nichts mehr los sein konnte. Aber im Gegenteil:

Die siebte Veranstaltung dieser Art schlägt nicht nur laut Veranstalter alle Erwartungen und Rekorde. 150.000 Besucher tummelten sich in den drei Tagen Ende Januar auf über 20.000 qm bestens ausstaffierten Hallenflächen, über 600 Aussteller boten ihre Serien- aber vor allem umgebauten Motorräder wohlfeil, neben dem adäquaten Zubehör, versteht sich. Neuvorstellungen und Programmvorführungen wechselten sich Schlag auf Schlag ab – da war es nicht erstaunlich, dass bereits am Freitagmorgen vor dem Haupteingang megadichtes Gedränge herrschte. Am Samstag war zeitweilig kaum noch ein Vorankommen in den Gängen. Dennoch: die Aussteller begrüßten den großen Zulauf, die Besucher hatten sich wohl bestens vorbereitet und stellten die Stimmbänder und Bestellbücher ihrer favorisierten Teilehändler ordentlich unter Druck. Dabei kam es gar nicht drauf an, ob es sich um die großen Hersteller handelte und deren Serienprodukte – oder um all die kleineren Customizer, Tuner, Cafe Racer- und Scrambler-Schmieden. Sie alle erfreuten sich am überbordenden Interesse und Zulauf der offensichtlich versierten Besucherschar. Dabei haben viele der eher kleinen und nur national bekannten Aussteller unbedingt und dringend durchaus das Potenzial, auch international agieren zu können, sprühen sie doch nur so vor Einfällen und Handwerkskunst.

Back to the roots

Auffällig die Entwicklung und der Trend der vorgestellten Custombikes, den sich ja bereits seit einiger Zeit selbst die großen Hersteller wie Harley-Davidson, BMW, Ducati und nun auch die Japaner nicht mehr entziehen können: Vordringliches Individualisieren vom Scheinwerfer bis zur Heckbeleuchtung, vermeintlich bereits am Serienbike – nichts wird ausgelassen, tendenziell und im Einzelnen zu verschönern oder verfeinern. Dabei haben die Hochglanz-Bikes samt ihren Parts mittlerweile eher schon das Nachsehen. Angesagt ist wieder „Der kleine Mann“ von der Straße oder in seiner Garage, der in abgewetzten Jeans und karierten Hemden oder ausgebleichten T-Shirts in seinem staubigen bis rustikalen Workshop an seiner stark malträtierten Werkbank die Teile von heute herstellt, die aussehen, als wären sie bereits in den 1960er Jahren entstanden. Offensichtliches Downsizing bis zum Anschlag: Blech, eben pures Metall, ist das Material, aus dem die Kradträume heute wieder gedengelt und geschmiedet werden. Handarbeit at it’s best, das geht hin bis zu gröbsten Schweißnähten am einseitig verstümmelten Tank (Carronas GPD Engineering), ungeschminkte Wahrheit, weg vom Chromglanz und ultraglatten Flächen, höchstens, wenn „Handgebürstet“ drauf steht. Authentisch sollen die Cafe Racer und Scrambler von heute sein.

Die Halle 4 versammelt genau diese Klientel: Ein Großteil der Glemseck-Belegschaft gibt sich die Ehre, von Free Spirits über Mr. Martini, klasse in einer auf alt getrimmten Zirkusarena aufgestellt und mit den technischen Daten der selbst fabrizierten BMWs, Triumphen und Ducatis auf weißen Luftballons an der Arena angeheftet. LSL am Stand von Galli Moto, der wiederauferstandene Pepo aus Spanien, ehedem RAD (Radical Ducati), die er Anfang 2014 an den versierten Franzosen Yann Thomas übergab und nun seine japanischen Umbauten unter dem Label XTR Pepo direkt daneben ganz frisch vorstellt. Neben den zahlreich vertretenen italienischen Customizern wie MASS OC Garage oder Bottega Bastarda, die in Deutschland manchmal – noch – unbekannt sind.

Sie präsentieren sich dort neben den ganz Großen, also Honda, und etwas kleiner Moto Guzzi/Piaggio und BMW Italia. Letztere haben sich auch längst ebenfalls dem neuen Cafe Racer-Diktat auf ihrem Stand unterworfen und angepasst: Rustikale und ewig gebrauchte Holzwerkbänke auch hier am ansonsten für deren kühle Eleganz bekannten Stand. Ducati hingegen ist ja bereits seit der Neuvorstellung des Scrambler Ende letzten Jahres für den neuerdings basic-orientierten Look und rauem Charme seiner Container-Bühnen bekannt. In direkter Nachbarschaft und durch den Auftritt mit Alleinstellungsmerkmal unmittelbar berührend: Matchless. Ein Krad wie ein Meilenstein, früher schon – nun die neuzeitlichen Errungenschaften von individualisierender Anpassungsfähigkeit in einem einzigen Körper beeindruckend vereinend.

Live und mittendrin

Und über allem brandet hier wie in allen sechs weiteren Hallen der Rock’n’Roll bis Rock’a’Billy, sehr oft nicht einfach aus der Konserve sondern per Live-Kappelle dargeboten auf den einzelnen Ständen, bunt-lüsterne Thekenschlampen inklusive, mit großartigen Musikanten, bei Hölle lauten Tönen in allen Ecken und mittendrin. Womit sie alle ihren jetzt so puristischen Auftritt auch akustisch bestens untermalen. Das gilt ebenso eins zu eins in Halle 2, in der Harley-Davidson Verona, einen großen Teil der Hallenfläche in Goldgelb ausgelegt, das zahlreiche Publikum vereinnahmt, umrundet von erstklassigen Zubehör-Dealern wie Custom Chrome Europe, Zodiac, W&W Cycles und Rebuffini. Dazu die Umbauer, wie die aufsehenerregenden MS Artrix, umgeben von ihren Choppern und Baggern, wie wir sie aus der guten alten Zeit kennen: malerische Airbrush-Lackierungen, matt bis glänzend.

Auch hier regieren vorwiegend die national bekannten Customizer, allen voran in diesem Jahr als Sieger mit dem Pokal für ‚Best of Show‘, verliehen vom Lowride-Magazin auf der großen Custombike-Ausstellung in Halle 3 – and the winner is: Asso Special Bike mit seiner 199 RP, auch international kein Unbekannter in diesem Genre, fürwahr. Old School never dies, denn auch das Motto bei den meisten Aus- und Herstellern lautet neuerdings und besonders auch hier in Verona: „The past as inspiration.“ Der Fotograf Michael Lichter behandelte dann auch dieses Thema bei der „World Custom Conference“ in Halle 1, mit Metzeler neben Motul als Hauptsponsor dieser faszinierend ausgelegt und angenommenen Motorradmesse, bei der die Italiener ihr lockeres Lebensmotto „Ars Vivendi“ einmal mehr unter Beweis stellten und leben.

Text und Fotos: Sabine Welte


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