Wie gefährlich sind Rocker

3 March 2016 | 12:09 am

Osnabrück. Rockergruppen haben in Niedersachsen unvermindert Zulauf, daran hat auch das Verbot einiger Gruppierungen nichts geändert. Was für Leute gehen zu den Rockern und warum haben sie kein Problem damit, sich öffentlich zu zeigen?

Prof. Dr. Thomas Bliesener ist Direktor am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Er spricht im Interview über Zusammengehörigkeit, Uniformen und Machtgefühl der Rockergruppen.

Herr Professor Bliesener, welche Gefahr geht von Rockern aus?

Rocker sind unter anderem als Türsteher, im Rotlichtbereich und im Menschenhandel aktiv. Sie bilden von daher schon ein gefährliches Potenzial.

Mit was für Leuten hat die Polizei es zu tun?

Das sind junge Männer, die ein Männlichkeitsideal von Stärke und Macht haben und ausleben wollen. Wenn so ein Club in einen Stadtteil einfährt, ist das eine Machtdemonstration. Das ist für viele junge Männer attraktiv. Wichtig ist auch die Zusammengehörigkeit in der Gruppe. Wenn mir was passiert, kann ich meine Kumpels rufen und die holen mich raus. Zum Teil wird ein enormer Aufwand betrieben, um Anerkennung zu bekommen und in die Gruppe reinzukommen. Das kennen wir auch von Hooligans oder anderen Gruppierungen, aber bei den Rockern ist die Verflechtung in das kriminelle Milieu deutlich stärker.

Sind es Kriminelle, die sich den Rockergangs anschließen, oder sind es Motorradbegeisterte, die kriminell werden?

Ich glaube, dass es beide Bewegungen gibt. Die bestehenden Rockerbanden sind darauf bedacht zu beobachten, wer sich sonst noch so auf dem Markt tummelt. Es gibt Revier- und Konkurrenzkämpfe. Es geht um den Einfluss in Städten, Stadtteilen und bestimmten Branchen. Aufkommende Konkurrenten werden vereinnahmt. Es gibt umgekehrt den Weg, dass junge Männer sich von Rockerbanden angezogen fühlen und auf Aufnahme drängen oder die Aufnahme suchen.

Rockergangs sprechen also gezielt Leute an und wollen sie für die Mitgliedschaft gewinnen?

Ich weiß nicht, ob sie einzelne Personen ansprechen, aber wenn sich irgendwo ein Motorradclub bildet, dann kann es sein, dass die Gangs denen anbieten: Wollt ihr nicht unter unsere Fittiche kommen?

Zuletzt sind ja auch immer wieder Männer mit Migrationshintergrund aktiv geworden oder haben eigene Gruppen gegründet wie Satudarah oder Osmanen Germania. Wie ist die Entwicklung zu beurteilen?

Das haben wir in anderen Bereichen auch, beispielsweise im Sport, wo sich homogene Gruppen in Form von Fußballvereinen bilden. Dass das hier ähnlich ist, ist nicht überraschend.

Auf der anderen Seite gibt es Neonazis, die zu Rockern werden.

Es gab immer schon eine gewisse Nähe der Rocker zur rechten Szene und umgekehrt. Das hat mit Menschenbildern, mit Männlichkeitsbildern zu tun. Männlichkeit, Stärke, Gemeinschaft, ein Hang zur Uniformität, das alles ist in beiden Gruppen angelegt.

Was unterscheidet Rockergangs von anderen kriminellen Banden?

Es unterscheidet sie zum einen, dass sie sozusagen in Uniform auftreten, mit einer Kutte. Sie zeigen sich bei einem Teil ihrer Aktivitäten in der Öffentlichkeit und als Angehörige der Gruppe. Das ist ungewöhnlich. Von der Mafia, der Camorra oder der Wirtschaftsmafia kennen wir das nicht. Auch dass das Gemeinschaftsleben in Vereinskneipen ausgelebt wird, kennt man von anderen Gruppen nicht. Die Rocker scheuen die Öffentlichkeit nicht.

http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/678343/rotlicht-menschenhandel-wie-gefahrlich-sind-rocker-1#gallery&0&0&678343

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