Yamaha XSR 700 – schon gefahren

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Für die neue XSR 700 kombiniert Yamaha die eigene Tradition mit dem kostendämpfenden Baukastensystem der erfolgreichen MT-Baureihe.

Auf Basis des Mittelklasse-Roadsters MT-07 haben die Japaner einen modernen Retro-Klassiker kreiert, der sich optisch an die legendäre XS 650 anlehnen soll, aber mit modernen Stilelementen der Jetzt-Zeit angepasst ist.

Retro ja, aber mit zeitgenössischem Touch. So zeigt die XSR den typischen runden Scheinwerfer, die fast gerade Sitzbank und die puristische Silhouette längst verflossener Zeiten, doch das mattschwarze Lampengehäuse, der linksseitig hervorlugende Stummelauspuff und die LED-Rückleuchte weisen den Weg in die Moderne.

Altbewährt, dennoch aktueller denn je ist die im besten Sinne klassische Ergonomie. Nach dem mühelosen Aufsitzen platziert die XSR ihren Fahrer aufrecht in 815 Millimeter Höhe hinter dem ein wenig nach hinten gekröpften konischen Lenker. Die Füße ruhen auf tiefen Rasten und die Knie finden besten Anschluss an den schlanken Tank.

Der Blick nach vorn zeigt ein modernes LCD-Rundinstrument und über dem Scheinwerfer breitet sich die ganze Welt unverbaut aus. Lässig erfolgt der Druck aufs Anlasser-Knöpfchen und schon nimmt der Reihenzweizylinder mit 689 ccm Hubraum aus der MT-07 seine Arbeit höchst dezent brabbelnd auf. Höhere Drehzahlen entlocken dem Triebwerk einen knurrig-bellenden Sound, der so typisch für diese Bauart ist.

Von Anfang an macht die XSR einen gut kontrollierbaren, fahraktiven Eindruck. Die schmale Taille, der gut zur Hand liegende Lenker und das geringe Gewicht von 186 kg machen auf Anhieb alles leicht.

Wieselflink huscht die XSR übers vorzugsweise gewundene Asphaltband und biegt völlig mühelos in jede sich bietende Kurve. Korrekturen in Schräglage? Kein Problem. Einem plötzlich im Weg liegenden Stein in der Kurve Ausweichen? Ein Kinderspiel. Das leichtfüßige, fast intuitive Handling begeistert versierte Motorradfahrer und macht Unerfahrenen das Zweiradleben leicht.

Dazu tragen auch die aufgezogenen Pirelli Phantom-Pneus bei, die optisch mit einem altehrwürdigen Profil den Retro-Stil bedienen, mit ihrer modernen Gummimischung aber jede Menge Haftung bieten und für ein gutes Gefühl auch auf feuchtem Untergrund sorgen – praktisch ohne störende Begleiterscheinungen wie etwa ein Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage.

Überhaupt offenbart die XSR gerade beim Verzögern ihren unprätentiösen Charakter und die Eignung für einen breiten Käuferkreis: Die Bremsanlage agiert keineswegs bissig, doch effektiv analog zur über den einstellbaren Handbremshebel eingeleiteten Kraft. Im Gegensatz zur MT-07 kommt die XSR ausschließlich mit ABS, aber das ist ja bekanntlich kein Nachteil.

Ebenfalls ein Quell der Freude: Der Antrieb. Unverändert aus der MT-07 übernommen, begeistert der Vierventiler mit ordentlichem Durchzug und einem extrem breiten nutzbaren Drehzahlband.

Damit holt der flüssigkeitsgekühlte Einspritzmotor den maximalen Fahrspaß aus 75 PS und 68 Newtonmeter Drehmoment heraus und macht häufige Schaltarbeit im Sechsganggetriebe überflüssig, denn am Kurvenausgang serviert selbst ein eigentlich zu hoher Gang ausreichend Vortrieb.

Für Führerschein-A2-Kandidaten halten die Händler einen 35-kW-Umrüstsatz bereit. Der ebenso gut kontrollier- wie fühlbare Druck geht auf den 270 Grad Hubzapfenversatz der Kurbelwelle zurück, der auch dem Motorensound mehr Fülle verleiht.

Eine leichte Ausgleichswelle und die Gummilagerung des Lenkers hält Vibrationen vom Fahrer fern, der XSR-Reihen-Zweizylinder läuft sehr kultiviert und dazu sparsam: Das Wechseldisplay im Anzeigeinstrument wies für die engagierte 180-km-Testrunde einen Verbrauch von knapp fünf Liter aus.

Guter Fahrkomfort kommt neben der Sitzposition von der sensibel ansprechenden Telegabel, die schon auf feine Bodenunebenheiten reagiert. Insgesamt sind Telegabel und noch mehr das Federbein sehr soft, fast schon lasch ausgelegt, was zu Lasten der Präzision geht. Im Fahrbetrieb fällt das jedoch nicht sonderlich negativ auf, die außergewöhnliche Agilität zusammen mit dem famosen Antrieb können diese kleine Fahrwerksschwäche locker überspielen.

Trotz des vergleichbar unkomplizierten Fahrerlebnisses und der Übernahme wesentlicher Komponenten unterscheidet sich die XSR nicht nur in Sachen Besitzerstolz vom Ausgangsmodell MT-07 – die XSR weist feine Details wie schicke Tank- und Kühlerblenden aus Alu, einen hochwertigen Alu-Halter für die vordere Radabdeckung und sogar geschmiedete Alu-Lampenhalterungen auf.

Während die MT aus Japan stammt, wird die XSR in Frankreich mit einem neuen Stahlrohrrahmen montiert, dessen geschraubtes Heck für individuelle Lösungen im Handumdrehen abmontiert ist. Im speziellen Customizing- und Zubehörprogramm stehen mehr als 40 maßgeschneiderte Produkte von der Lampenverkleidung bis zum Gepäckträger bereit, die mithilfe der neuen Yamaha-App „My Garage“ am Computer in einer 3D-Ansicht virtuell hinzugefügt werden können.

Ob die neue XSR tatsächlich in die Fußstapfen der schnörkellosen XS 650 aus den Siebzigern treten kann, mag letzten Endes im Auge des Betrachters liegen. Keine zwei Meinungen herrschen dagegen bezüglich des begeisternd spielerischen Fahrerlebnisses, dass die ab Jänner erhältliche XSR 700 selbst verwöhnten Naturen bieten kann. Gleiches gilt für den mit 8.999 Euro (bzw. sogar nur 7.495 Euro in Deutschland) moderaten Preis.

Straßenmotorrad mit flüssigkeitsgekühltem Reihen-Zweizylinder-Viertakt-Motor, vier Ventile je Zylinder, dohc, Hubraum: 689 ccm, Bohrung x Hub: 80,0 x 68,6 mm, maximale Leistung: 55,0 kW/74,8 PS bei 9.000/min, max. Drehmoment: 68 Nm bei 6.500/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, Sechsgang-Getriebe, Kette, Stahl-Brückenrahmen, Telegabel, Stahl-Zweiarmschwinge mit horizontalem Zentralfederbein, zwei Scheibenbremsen vorn, eine hinten, ABS, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, Sitzhöhe: 815 mm, Tankinhalt: 14,0 l, Leergewicht 186 kg.

Österreich-Preis: 8.999 Euro (Deutschland: 7.495 Euro).


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